Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694424
Dritte Periode. 
173 
nannten von Pisa.  Einer der letzten Florentiner von Giottds Rich- 
tung, Lorenzo di Bicei, welcher bis um die Mitte des 15. Jahrhunderts 
lebte, wiederholt die Typen der Schule in einer mittelmässigen, aber 
durch milden Ausdruck ansprechenden Weise. Das Tüchtigste, was von 
ihm vorhanden, ist die Darstellung einer Kircheinweihung in der Loggia 
von S. Maria nuova zu Florenz; ausserdem sieht man eine Reihe von 
Aposteln und Heiligen in den Kapellen am QuerschiH und Chor des 
Domes und ein Altarbild in den Uflizien. 
Unter den Meistern der Schule von Siena ist zunächst Ugolinov 
da Siena (gest. 1339) zu nennen. Dieser Künstler bezeichnet den Ueber- 
gang von der älteren Richtung des Duccio zu der in Rede stehenden 
Periode. Sein Hauptwerk war ein aus vielen Tafeln bestehendes Werk 
auf dem Hochaltar von S. Croce zu Florenz; dasselbe ist zerstreut 
worden; ein Theil der Tafeln befand sich neuerlich in der Sammlung 
von Young Ottley zu Londonß 
Der bedeutendste Meister dieser Schule ist Simone di Martino, 
fälschlich Simone Memmi genannt (1276  bis 1344). Seine Gemälde 
bilden den entschiedensten Gegensatz gegen die seines ilorentinischen 
Zeitgenossen Giotto. Nicht die Fülle der Ideen, nicht der rege Sinn für 
die wechselvollen Gestalten des Lebens ist es, was in ihnen zur Erschei- 
nung kommt; wohl aber ein zartes, fast verklärtes Seelenleben, das seinen 
Gestalten den Ausdruck einer innig rührenden Sehnsucht und Hingebung 
verleiht, das die anmuthvollste Bildung der Form, die mildeste Färbung, 
die liebevollste und sinnigste Ausführung  alles dies zwar innerhalb 
jener Gränzen des gothischen Styles  zur Folge hat. Uebrigens ündet 
man seine Werke nicht häufig. Namentlich sind anzuführen: das grosse 
Wandbild einer von Heiligen umgebenen Madonna im Gerichtssaale des 
öffentlichen Palastes zu Siena, um 1330 gemalt;  ein Altärchen, Ma- 
donna mit zwei Heiligen, in der Akademie von Siena; ein bezeichnetes 
Altarbild in mehreren Abtheililngen in S. Domenico zu Orvieto;  in 
S. Lorenzo maggiore zu Neapel die Krönung Roberts I. durch seinen 
Bruder, den h. Ludwig, nebst andern Thaten des Heiligen, gleichfalls 
bezeichnet;  eine Verkündigung in der Galerie der Uffizien, von Si- 
mone in Gemeinschaft mit seinem Verwandten Lippo Memmi im Jahr 
1333 gemalt;  Maria mit Joseph und dem zwölfjährigen Christus, vom 
J. 1342, in der Liverpool-Institution in England;-ein grösseres und ein 
kleineres Madonnenbild im Berliner Museum; das kleine bezeichnete, 
aus vier Abtheilungen bestehende Bild im Museum von Antwerpen. e 
Sodann ein zierliches Miniaturbild (mit seinem Namen) in einer Handschrift 
des Virgil, die in der ambrosianisohen Bibliothek zu Mailand bewahrt 
wird. Auch scheint Simone an den Miniaturen einer Bilderbibel in der 
Pariser Bibliothek Theil zu haben; jedenfalls stehen dieselben grossen- 
thßils seiner Richtung Sehr nahe. 2)  Von dem ebengenannten Lippe 
1 Waagen, Kunstwerke und_ Künstler in England, 
Klmstwerke und Künstler in Pans, S. 317. 
I1 
393. 
2 Derselbe,
        

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