Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694395
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B. Die Kunst des gothisehexl 
Styles. 
erscheint als ein handwerklich tüchtiger und keineswegs talentloser Nach- 
ahmer des Giotto, dem es jedoch zumeist an Maass, sowie an Ernst und 
Vertiefung gebricht; von ihm rühren die XVandmalereien im Chor von 
S. Croee zu Florenz (die Legende des h. Kreuzes) und die in der 
Kapelle des heil. Gürtels in der Kathedrale von Prato (Geschichte der 
Maria und ihres Gürtels) her.  Ein ähnlicher Nachahmer ist Giottino, 
eigentlich Tommaso di Stefano. Legende des h. Silvester in S. Croce 
zu Florenz, Kapelle Bardi; Krönung der Maria in der Unterkirche 
von S. Francesco zu Assisi.) 
_Neue und bedeutsame Erscheinungenxtreten in der ilorentinischen 
Kunst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hervor. Unter ihnen 
sind vorerst die Werke des Giovanni da Melano (wahrscheinlich aus 
Mailand) zu nennen, eines Schülers des Taddeo Gaddi, der mit der Zart- 
heit seines Meisters zugleich, fast abweichend von der florentiniseheir 
Richtung, eine tiefe Innigkeit des Ausdruckes verbindet und ausserdem 
an Abrundung und Ausbildung der Formen seinen Zeitgenossen überlegen 
ist. Von ihm das Leben der Maria an einem Gewölbe im Querschiif der 
Unterkirche von S. Francesco zuAssisi, ein Altarwerk aus acht Tafeln, 
ehedem im Querschiff von Ognissanti zu Florenz und eine unbedeutende 
Pieta in der Akademie ebendaselbst. 
Noch bedeutender und als zu den grbssartigsten Leistungen der lioren- 
tinischen Kunst gehörig erscheinen die Malereien des Andrea di Cione 
(Orcagna, gest. 1376, dessen bereits bei der Architektur und bei der 
Sculptur gedacht ist. Unter diesen Werken sind zunächst die in S. Maria 
Novella (Kap. Strozzi) zu Florenz befindlichen hervorzuheben. Das 
Altarbild dieser Kapelle, der Erlöser und Heilige, trägt seinen Namen und 
die Jahrzahl 1357; an der Fensterwand der Kapelle hat er das jüngste 
Gericht, an der Wand zur Linken das Paradies  Christus und Maria, 
von Engeln umgeben, und Schaaren von Heiligen und Seligen" gemalt. 
Ein hoher und edler Schönheitssinn geht durch diese Darstellungen, die 
durch die Tiefe und Kraft des Ausdrucks fesseln; dabei ist die Tech- 
nik auf's Sorgfältigste durehgebildet. Dem Paradies gegenüber, auf der 
rechten Seitenwand, ist die Hölle gemalt, ein ganz unkünstlerisches Werk, 
das man dem Bruder des Andrea, dem Bernardo Orcagna, zuschreibt. 
 Minder vollendet in der Technik und minder zart im Gefühle des 
Einzelnen, aber höchst grossartig in der Entwicklung des Gedankens sind 
zwei kolossale Wandgemälde des Campo Santo zu Pisa, die ebenfalls 
dem Andrea zugeschrieben werden. Das eine von ihnen führt den Na- 
men „der Triumph desrTodes", es enthält, in mehreren Scenen, eine er- 
greifende Darstellung, wie alle Lust und alle Herrlichkeit der WVelt dem 
Graus des Todes zu erliegen bestimmt ist; man kann dies Werk als ein 
gemaltes Gedicht bezeichnen, und in der That übertrifft es in seiner 
dichterischen Kraft vielleicht alle übrigen Leistungen der gothischen 
Periode. Das zweite Bild stellt das jüngste Gericht vor; auch dies Zeigt 
dieselbe Tiefe und Energie des Gedankens, zugleich ist es durch die hohe 
Majestät der Composition ausgezeichnet und in der letzteren auf geraume 
Zeit das Vorbild für ähnliche Darstellungen gewesen. Ein drittes, wie- 
derum weniger erfreuliches Bild, welches die Hölle vorstellt, wird auch
        

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