Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694304
Dritte Periode. 
161 
("nach 1361, oder erst 1418-22  auf der Burg, eine Madonna mit Do- 
natoren in der Lorenzkirche, der Tuchefsche Altar in der Frauenkirche, 
der Volkamerlsche Altar in St. Lorenz (1406), der Hallefsche Altar in 
St. Sebald, ausserdem mehrere Grabtafeln in verschiedenen Kirchen und 
die Flügelbilder eines Altares im Berliner Museum. 
Am spätesten entwickelt sich die Schule von Köln. 1 Hier hatte 
allerdings die Malerei schon seit der Frühzeit des gothischen Styles eine 
gewisse Bedeutung gehabt; einen eigenthümlich glänzenden Aufschwung 
aber Vgewahren wir (unsern bisherigen Kenntnissen zufolge) erst seit den 
letzten zwei Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts. In dieser Zeit tritt sie uns 
plötzlich in einer eigenthümlichen Vollendung entgegen. Auch hier sehen 
wir jene Weichheit, besonders was die Farbenbehandlung anbetrifft, vor- 
herrschend; aber sie entwickelt sich zum wärmsten Schmelz, zur gesät- 
tigsten Fülle des Auftrages, doch so, dass die Farben noch immer wie 
durch einen duftigen Schleier etwas in die Ferne gerückt erscheinen. Zu- 
gleich aber ist die Zeichnung, im Gegensatz gegen das Plumpe in den 
Werken der böhmischen Schule, bereits aufs Edelste durchgebildet; und 
wenn sie statt der Freiheit der Naturformen auch zum Theil noch mehr 
conventionellen Stylgesetzen folgt, so zeigt sich doch stets darin das lau- 
terste Gefühl; zu bemerken ist, dass die Formen, besonders die des Ge- 
sichtes, insgemein etwas Rundliches haben. Diese äusseren Elemente der 
Darstellungdienen, was das WVichtigste ist, dem holdesten Liebreiz, der 
zartesten Stimmung des Seelenlebens zum Ausdrucke; es sind Gestalten 
himmlischer Reinheit undungetrübten Friedens. Wo jedoch diese Schule 
über die Schilderung der Zustände hinaus in das Gebiet der That über- 
geht, fehlt die Energie, und bei der Darstellung des Bösen wird sie burlesk. 
Man unterscheidet in den WVerken der Schule die Thätigkeit zweier 
vorzüglich begabter Meister, denen sich die Uebrigen zumeist nur als 
Nachfolger anschliessen; und man hat in ihnen, nicht ohne Grund, zwei 
vorzüglich gerühmte Künstler jener Zeit, von denen eine, obschon auch 
nur geringe Nachricht auf uns gekommen ist, erkannt. Der ältere von 
beiden ist Meister Wilhelm (wahrscheinlich des Namens Herle), der 
um das Jahr 1380 blühte. 2 Von dem einzigen Werke, das man ihm mit 
Bestimmtheit zuschreiben kann, den zwischen 1370-80 gemalten Wand- 
bildern im Hansesaal des Rathhauses zu Köln, 3 sind nur geringe Ueber- 
reste, einige männliche Köpfe von würdigem Ausdruck, erhalten. Sodann 
werden ihm mit Wahrscheinlichkeit folgende Werke beigelegt: Ein Wand- 
bild an dem Grabmale Cuno's von Falkenstein, Erzbischofes von Trier, 
in der Castorkirche zu Ooblenz vom Jahr 1388;  ein Theil der zier- 
liehen Malereien an dem (schon genannten) Altar in der Johanniskapelle 
des Domes von Köln, früher in der Kirche der h. Clara;  ein Altar 
im städtischen 31118611111 von Köln, Madonna mit Heiligen, auf den Aus- 
1 Fr. Kugler, K1. Schriften II, 288 ff. 350 ü". 524.  Kunstbl. 1854, S. 1643". 
(Mittheilungen von Waagen); ferner: Merk's Forschungen, imd über dieselben 
Kunstbl. 1850, S. 140 und 1853, S. 49.  Schnaase, Kunstgesch. VI, S. 409 ü". 
 2 Denkmäler der Kunst, T- 60 (2, 3, 4).  3 Vergl. Dr. Ennen, in den An" 
nalen (leg histor. Vereins für den Niederrhein. Heft 7. 
Kngler, Handbuch der Kunstgeschichte. Xi. 11
        

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