Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694280
Dritte Periode. 
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Periode, die sich in schwäbischen Ortschaften befinden, nachgewiesen 
worden. 1 In der Kirche von Kentheim (an der Nagold, unweit Calw), 
diese noch alterthümlich streng und unausgebildet, leider übermalt;  
in der Kirche des h. Vitus zu Mühlhausen (am Neckar, unweit Cann- 
statt), nach 1380, bedeutende Reihenfolgen biblischer und legendarischer 
Darstellungen, von denen besonders die im Chor belindlichen zum Theil 
wohl erhalten sind, die Mehrzahl derb und steif, doch kräftig bewegt, 
einzelne Gestalten nicht ohne Sinn für Schönheit;  mehrere Darstellun- 
gen in der Kirche von Maulbronn, die im Jahr 1424 von einem Meister 
Ulrich gefertigt wurden; und einige Malereien launigen Inhalts, von 
weicherer und vollerer Bildung, in einem Gemach des Ehinger-Hofes zu 
Ulm. 2  Andre, vom Jahr 1427, im Chore des Domes von Frankfurt 
a. M.; auch diese zumeist zwar ziemlich roh im Gefühl, dennoch auch 
hier Einzelnes von bedeutsamer Schönheit. 3  Ein treifliches und zart 
empfundenes Wandgemälde, den Tod der Maria vorstellend, in der Lieb- 
frauenkirche zu Halberstadt, leider sehr beschädigtß  Ein andres, 
aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, drei Bischöfe vorstellend, in 
der Katharinenkirche zu Lübeck, von wenigstens handwerklicher Tüch- 
tigkeit.  Endlich ein grosser Cyclus von Darstellungen, Scenen des alten 
und des neuen Testaments (nach Art der Biblia pauperum einander 
gegenüber gestellt), nebst Figuren von eigenthümlich symbolischer Bedeu- 
tung, an den Gewölben der Marienkirche zu Colber g; auch diese ent- 
schieden handwerksmässig, doch.mit mannigfach geistreichen Motiven in 
jenen symbolischen Gestalten. 5 Auch die seltene Technik des Mosaiks, 
Wovon wir an der Relieffigur von Marienburgj bereits ein Beispiel ken- 
nen lernten, hat in dieser Zeit noch eine grosse Darstellung des Weltge- 
richts am Dom zu Prag und eine Matter des Evangelisten Johannes am 
Dom zu Marienwerder aufzuweisen.  (Der Wandgemälde der böhmi- 
schen Schule wird im Folgenden gedacht werden.) 
Wir wenden uns nunmehr zur Betrachtung der deutschen Tafel- 
malerei dieser Zeit. Noch die Bilder seit Anfang des 14. Jahrhunderts 
zeigen keine sonderliche künstlerische Entwickelung, obwohl wir an ihnen 
nicht selten den Ausdruck einer klaren kindlichen Offenheit und Unschuld 
mit Glück erstrebt sehen. Ein paar Beispiele der Art sieht man im Ber- 
liner Museum; manche, zum Theil doch schon sehr beachtenswerthe 
Arbeiten in den Kirchen von Nürnberg, 6 im Museum zu Köln, in-der 
Stiftskirche zu Oberwesel (hier die Flügel des Hochaltares vom Jahr 
1331), in der Domkapelle zu Goslar, im Besitz des Hrn. Ober-Regie- 
 
1 Sendschreiben von C. Grüneisen im Schorwschen Kunstblatt, 1840, N0. 96. 
 2 Grüneisen und llllauch, Ulm's Kunstleben im Mittelalter, S. 10. Kunstblatt 
1855, S. 363, 426." (Mlttheilung von Manch, wonach diese Gemälde noch dem 14. 
Jahrhundert angehören.)  3 Näheres Fr. Kugler, K1. Schriften II, 349.  4 Es 
ist die Malerei im südlichen Kreuzliügel. Ueber diese und die Uebrigen vgl. K1. 
Schriften I, 140 u. Kunstblatt 1845, Nr. 54. (lNIittheihmg von v. Quast.)  5 Pom- 
mersche Kunstgeschichte, S. 182; K1. Schriften I, 7 90.  6 Vgl. Waagen, Kunst- 
werke und Künstler in Deutschland, Bd. I. (Erzgebirge und Franken.) Ein perie- 
getisches Hauptwerk über deutsche Kunst.  Derselbe im Kunstblatt 1850, 
8.149 ii, 289 Hi, besonders über böhmische Miniaturen.  K1. Schriften H, 139- 
286. 524 u. ßl. a. O. 
        

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