Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694263
Periode. 
Dritte 
157 
aus der Mitte desselben Jahrhunderts, und die etwa gleichzeitigen zahl- 
reichen Arbeiten im Münster von Strassburg, welche zumeist durch 
Hans von Kirchheim gefertigt wurden, von grosser Bedeutung. So 
auch drei Fenster in der Sebaldskirche zu Nürnberg (von 1365 bis 
1394) und ein ehemals in S. Gertrud zu Köln befindliches Fenster, des- 
sen Figuren den Styl der Zeit besonders anmuthig spiegeln. Das grosse 
Fenster im südlichen Querschiif des Domes von Augsburg ist wenig- 
stens von prachtvoller dekorativer Erscheinung. In Steiermark besitzt 
die Kirche zu Strass enge] treffliche Glasgeinälde aus der zweiten Hälfte 
des 14. Jahrhundertsß  Charakteristische Beispiele für die frühere 
Zeit des 15. Jahrhunderts enthalten die Glasgemälde, welche sich früher 
in der Burgkirche zu Lübeck befanden und gegenwärtig in den Fen- 
stern der dortigen Frauenkirche aufgestellt sind; sie zeigen den deutsch- 
gothischen Styl in eigenthümlich weicher Fassung (der gleichzeitigen 
Malerschule von Köln verwandt) und, bei freier Behandlung, den Aus- 
druck zarter Milde, sowie im Einzelnen bereits einen regen Natursinn. 2 
Man schreibt diese Arbeiten mit grösster Wahrscheinlichkeit einem aus 
Italien gebürtigen Künstler zu, dem Francesco, Sohne des Domenico 
Livi aus Grambassi (bei Volterra). Dieser hatte sich seit seiner Jugend 
in Lübeck aufgehalten und dort die Kunst der Glasmalerei erlernt (er 
gehört somit wesentlich, was auch die genannten Arbeiten in Lübeck 
bezeugen, der deutschen Kunst an); als der ausgezeichnetste Meister sei- 
nes Faches, von dem man eine Kunde hatte, wurde er im Jahr 1436 
unter sehr ehrenvollen Bedingungen nach Florenz berufen, die Fenster 
des dortigen Domes mit seinen Werken zu schmücken. 3  Als Beispiel 
des Reichthums, welchen die strengen Cistercienser in fast lauter farb- 
losem Glase hervorzubringen wussten, mag das grosse Fagadenfenster der 
Kirche zu Altenberg bei Köln (nach 1400) dienen. Anderweitig er- 
laubten sie sich auch farbige, wie z. B. die im Brunnenhause und im 
Chor des Stiftes Heiligenkreuz (Oesterreich) befindlichen beweisenf 
erstere enthalten die sehr merkwürdigen Bildnissgestalten der Babenber- 
ger.  Die Bettelordenskirchen, welche sich wenigstens mit Einem farbig 
historiirten Ohorfenster begnügen sollten, hatten doch oft genug den 
ganzen Chor voller Glasgemälde. 
Die Teppiche nehmen während dieser Periode in der deutschen 
Kunst keine bemerkenswerthe Stelle ein. 
Bei dem Streben des gothischen Baustyles, die Masse der Wand 
in lebendig bewegte Architekturformen aufzulösen,  einem Streben, 
welches gerade in Deutschland zu seiner vollendetsten Durchbildung kam, 
war hier für die Ausübung der Wandmalerei, wie schon bemerkt, im 
Allgemeinen eine minder günstige Gelegenheit gegeben. Gleiehwehl fehlte 
es im Einzelnen nicht an manchen Räumlichkeiten, die, eb zum Theil 
1 Vgl. Mjttheil. d. k.  Cenlrrnl-Commission. Bd. III.  2 Abbildungen die- 
ser Glasmalereien werden m dem Werke des Malers Milde (von dem die kunst- 
reiche Restauration derselberrhefrühft) über die Alterthümer von Lübeck erschei- 
nen.  3 S. die Urkunde bei Gaye, Oarteggio ined. düzrtisti, II, S. 441. Vergl- 
Denkmäler der Kunst, T. 60   4 Mittelalter]. Kimstdenkmale d. österr. Kai- 
Serstaätes, Lief. I u. II, Taf. 5 11. 6.
        

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