Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694241
1380), Herzog Johann von Berry (geb. 1340, gest. 141.6) und Philipp der 
Kühne, Herzog von Burgund und Herr des heutigen Belgiens (reg. 1362 
bis 1405). Von den für sie gefertigten Prachtwerken ist in der Pariser 
Bibliothek eine namhafte Anzahl crhalten.' 
Neuerdings sind auch im scandinavischen Norden, namentlich in 
Schweden, bedeutende Reste von Wandmalereien aus dieser Epoche 
aufgedeckt und veröffentlicht worden. 2 Sie finden sich meistens in klei- 
nen aus Holz errichteten Kirchen, und zwar unmittelbar auf die dafür 
sorgfältig zubereiteten Holzbretter der Wände und Decken aufgemalt. 
Am umfangreichsten und wcrthvollsten erscheinen die Malereien, mit 
denen die Kirche zu Roda in Wermeland völlig bedeckt ist, im Chor 
die Darstellung der Dreifaltigkeit und der Krönung Maria, bezeichnet 
1323; darunter Anbetende, ferner in spitzbogigen Arkaden die Gestalten 
von Aposteln und Propheten, und in einem Friese eine Reihe von Mar- 
tyrien; im Langhausc sodann an der wölbungsartigen Holzdecke die 
Schöpfungsgeschichte und das Leben der Jungfrau Maria, darunter die 
Legende des h. Eustachius und die Geschichte vom verlernen Sohne, 
dann wieder an den Wänden in einem Friese die Darstellungen des Glau- 
bensbekenntnisses und des Leidens Christi. Die Figuren sind im iliessen- 
den Style des beginnenden 14. Jahrhunderts, noch ohne Uebertreibung, 
in edlem, reichem Faltenwurfe durchgeführt, die Behandlung übrigens 
zeigt manches Schwankende, die Färbung durchweg eine grosse, für diese 
Epoche seltene Kraft und Sättigung. Dazu kommen noch zahlreiche 
dekorative Darstellungen in Medaillons, gemalte Bänder und dgl., so dass 
die Gesammtwirkung von seltener Fülle und Pracht erscheint.  Aehn- 
liche, doch minder ausgedehnte, und vielleicht schon etwas spätere, weil 
mehr naturalistische Darstellungen besitzt die Kirche von Edshult, dar- 
unter besonders die Schöpfungsgeschichte in Medaillons, und die Ge- 
schichte des Noah. (Die Malereien in der Apsis der Kirche zu Grenna, 
das Glaubensbekenntniss enthaltend, scheinen erst dem Ausgange des 
15. Jahrhunderts anzugehören.) 
Deutschland. 
Hier stehen zunächst die Miniaturen gegen die sonstigen Gattun- 
gen der Malerei, und namentlich gegen Ende der Epoche hinter den 
schon im Sinn des höhern Luxus behandelten niederländischen und fran- 
zösischen Zllrüßk- 1m Ganzen herrscht noch die illuminirte Umrisszeich- 
nung durchaus vor. Doch im Gedanken und in der Oomposition kommt 
auch hier Manches höchst Bedeutende 3 vor, was der allgemeinen Stylhöhe 
der Zeit entspricht. So vorzüglich in der Handschrift des Wilhelm von 
Oranse vom J. 1334 (Bibliothek von Cassel), in einer Bibel und einer 
 
1 Vergl. vor Allem: Waagen, Kunstwerke u. Künstler in England und Paris, 
bes. III, 294, ff.  2 Mandelgrerr, monuments scandinaviques du moyen äge- 
Livr. 2. Paris 1859.  3 Für das Folgende vgl. Handb. d. Malerei, I, S. 189, ff. 
 Ferner F. Kugler, Kl. Schriften, I, S. 8, 10, 53, 62, 67, 87, 89;  U, 344 1T-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.