Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694221
Dritte Periode. 
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Genius der einzelnen Nationalitäten und Landschaften; es lassen sich 
Schulen von mehr oder weniger ausgesprochenem Charakter, ja Künstler- 
individualitäten unterscheiden. Weit am meisten ist in dieser Specialisi- 
rung der Kräfte Italien voran, doch zeigt auch der Norden eine ähnliche 
Entwicklung. Die nordische Malerei bleibt einstweilen in der nachtheili- 
gen Lage, dass ihre natürlichste und freiste Hauptäusserung, die Wand- 
malerei, in den wichtigsten Gebäuden, den Kathedralen, gar keine nen- 
nenswerthe Stelle findet und daher überhaupt keinen höchsten Rang 
einnimmt; Pracht und Aufwand der so viel unfreiern Glasmalerei bietet 
hiefür nur einen geringen Ersatz. Langsam wächst inzwischen eine Ma- 
lerei der persönlichen und localen Meisterschaft an den Tafelbildern und 
Miniaturen empor, welche in geldreichen Gegenden und Städten sich 
geradezu an die Spitze der ganzen Kunst stellt, und für die Van Eyck 
vor der Hand die Stätte bereitet. In Italien dagegen hörte das Fresco, 
seit es das Mosaik im Grrossen verdrängt hatte, keinen Augenblick mehr 
auf, die Kunst wesentlich zu beherrschen. 
Frankreich , 
Skandinavien. 
England und 
Belgien , 
Von den Wandmalereien dieser Periode werden gegenwärtig bald 
hier bald dort Stücke vom Mörtel befreit und dann publicirt, noch nicht 
hinlänglich, um darnach einen durchgehenden französischen Stylcharakter 
bestimmen zu können, doch im Einzelnen sehr beachtenswerth. So die 
gIOSSG Darstellung des jüngsten Tages an einer Wand von St. Philibert 
zu Tournus, eine für jene Zeit mächtig ergreifende Composition. Die 
Vortragsweise ist hier wie noch fast überall in den Wandgemälden des 
14. Jahrhunderts einfache Linearzeichnung mit (jetzt 'meist fehlenden) 
Farben ausgefüllt, die Gründe roth. '  Was in Rheims, in der. Notre- 
Dame-Kirche zu Prcsles in der Champagne u. a. O. vorhanden, ist noch 
nicht durch Abbildungen bekannt. 
Die Glasmalereien der französischen Kathedralen stammen der 
Masse nach mehr aus dem 13. Jahrhundert, doch mag in den oben 
(S. 87) genannten Kirchen die Vollendung erst allmälig und theilweise 
erst in dieser Periode erfolgt sein. Dies betrifft z. B.: die schönen 
Ueberreste in der Kathedrale von Chalons s. M. etc. 2)  In England 
werden bGSOIIderS die zahlreichen Fenstergemälde des Münsters von York 
gerühmt, Welche John Thor nton in der zweiten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts fertigte. a) 
Die Tafelmalerei kommt für Frankreich und England, was erhal- 
tene Denkmale betriift, noch so viel wie gar nicht in Betracht. Für die 
iiandrische Kunst dienen als Anhaltpunkte ein paar Gemälde in der 
1 AfQhiVeS de 1a commission des mon. historiques, Eglise de St. Philibert, 
peintures, I.  2 F. de Ifasteyrie, hist. de la peinture sur verre  ein Pracht- 
werk, welches auch für diese Periode das Wichtigste enthalten wird.  Einiges 
bei Willemin, mon. fr. lnefi-  und in: Moyen-äge et Renaissance Vol. III.  
3 Vergl. die erwähnten Notizen nach Westmacott, Kunstbl. 1847, Nr. 3. Erhal- 
ten ist, wie es scheint, nur äusserst Weniges.
        

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