Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694212
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Styles. 
Die Kunst des gothischen 
In Venedigl erscheint zuerst Filippo Calendario von Bedeu- 
tung, der gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts am Bau des Dogenpala- 
stes thätig war. Die Blätterkapitäle der Säulen dieses Palastes sind 
grossentheils zugleich mit figürlichen Darstellungen (allegorischen Inhalts) 
versehen, die eine einfach edle Ausbildung des gothischen Styles erken- 
nen lassen; an den Ecken sind grössere Hochreliefgruppen angebracht.- 
Sodann Lanfrani, angeblich ein Schüler des Giovanni Pisano. Von ihm 
rühren die Reliefs an dem Hauptportal von S. Francesco zu Imola 
(1343) her, sowie das Grabmal des Taddeo Pepoli in S. Domenico zu 
Bologna (1347), ein schlicht ansprechendes Werk.  Jünger sind die 
Brüder Jacobello und Pietro Paolo, genannt dalle Massegne, 
Schüler der Sieneser Agostino und Angelo. Sie fertigten die Statuen 
der Madonna, der Apostel und des h. Marcus (vollendet 1394), welche 
in S. Marco zu Venedig, auf dem Architrav vor dem Presbyterium 
stehen und sich durch überaus weiche, idealistische Behandlung der 
Köpfe, Zierlichkeit der Haare, und runden, edel bewegten Fluss der Ge- 
wänder vortheilhaft auszeichnen. Ihnen möchte auch die schöne Lunette 
über dem Eingang zum Platz von S. Zaccaria beizulegen sein.  Einen 
ähnlichen Styl, nur roher und minder entwickelt, bemerkt man an den 
Reliefüguren des kupfervergoldeten Vorsatzes der Pala d'oro in S. Marco. 
 Sehr schöne namenlose Werke: der Altar in der Cap. de' mascoli 
ebenda; das Lunettenrelief einer Thür am linken Querschiff der Frari; 
Einzelnes unter den Sculpturen der Facade von S. Marco. Die Einwir- 
kung Pisa's ist durch Stylanklänge, Nachrichten und vorhandene pisani- 
sehe Werke erwiesen. 
In Bologna und Padua herrschte ein grosser, vielseitiger Gräber- 
luxus. In ersterer Stadt war dafür um das J. 1400 ein Toskaner An- 
drea da Fiesole thätig. (Gräber in den Klosterhöfen von S. Martino 
und S. Domenico.)  
In Neapel werden die Sculpturwerke des 13. Jahrhunderts einem 
älteren, die des414. insgemein einem jüngeren Masuccio zugeschrie- 
ben, welcher letztere namentlich als der Urheber der Grabmäler des Hau- 
ses Anjou und anderer Grossen in S. Ohiara (hier das des Königs Robert, 
gest. 1343), in S. Domenico, S. Lorenzo etc. gilt. Es ist darin, neben 
einem bisweilen grossen Luxus der Anordnung, eine oberflächliche Aneig- 
nung des pisanischenStyles nicht zu verkennen, aber in eigenthümlich 
stumpfen Formen. Direct pisanisch könnte der Leuchter der Osterkerze 
in S. Domenico (mit 9 allegorischen Figuren) sein. 
Mal 
erei. 
in 
Kenntlicher als in der Sculptur regt sich mit dem 14. Jahrhundert 
der Malerei, noch innerhalb der Grenzen des gothischen Styles, der 
1 Selvatico, sulP architettura. e sulla scultura in Venezia, gibt mehrfach 
abweichende Benennungen und Zeitbestimmungen; dagegen neuerdings O. M o thes, 
Geschichte der Baukunst und Bildnerei Venedigs.  Denkmäler der Kunst, T. 61 
(11) und T. es (1, 2).
        

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