Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694205
Dritte Periode. 
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Tafel an der Vorderseite des Altares, mit fünfzehn Scenen des neuen 
Testaments, ward 1316 durch Andrea di Jacopo d'Ognabene voll- 
endet; auch hier derselbe Styl. 1353 vollendete Meister Giglio aus 
Pisa die Statue des h. Jacobus über dem Altar, in edlerem Styl, dem 
Andrea Pisano bereits verwandt. Die Tafel zur linken Seite des Altares, 
zumeist Scenen des alten Testaments enthaltend, ward 1357 durch Piero 
aus Florenz übernommen; 1366 die zur rechten Seite, mit Scenen des 
neuen Testaments, durch Leonardo di Ser Giovanni aus Florenz: 
diese letzteren sind vorzüglich ausgezeichnet, mit den Werken des 
Andrea Orcagna nahe übereinstimmend und auch sie zum Theil bereits 
in einem mehr naturalistischen Sinne behandelt. Vier Heilige, eine Ver- 
kündigung und andre Gegenstände wurden von 1386 bis 1390 durch 
Pietro, des deutschen Heinrich Sohn, hinzugefügt, u. s. w.  Der zweite 
Altar ist der in der Sakristei des Baptisteriums zu Florenz, mit Ge- 
schichten des Täufers Johannes und andern Darstellungen. Der ältere 
Theil desselben rührt von Cione, dem Vater des Orcagna und Lehrer 
des Leonardo di Ser Giovanni her; ausserdem haben dieser letztere und 
andere Meister der Zeit, sowie auch mehrere Künstler des 15. Jahrhun- 
derts Theil daran; vollendet ward der Altarerst 1477. 
Die italienisch gothischen Sculpturen, die ausserhalb Toskana zur 
Ausführung kamen, haben im Allgemeinen nicht die Bedeutung der tos- 
kanischen. Unter diesen sind zunächst die bezüglichen künstlerischen 
Bestrebungen von Oberitalien anzuführen, die sich jedoch wiederum 
an die Thätigkeit jener, vorzüglich von Pisa ausgegangenen Meister an- 
schliessen. S0 ist zunächst Giovanni di Balduccio aus Pisa zu nen- 
nen, der im Jahr 1339 das Grabmonument des heil. Petrus Martyr in 
S. Eustorgio zu Mailand fertigte, ein grosses und umfassendes Werk, 
dessen Reliefs in dcr Ausführung theils hart und steif, theils übertrieben 
bewegt erscheinen, wie denn auch seine Sculpturen von dem ehemaligen 
Portal der Brerakirche zu Mailand, jetzt in der dortigen Akademie 
beträchtlich roh erscheinen; dagegen sind an jenem Denkmal die Stütz- 
üguren von so geistreicher und schöner pisanischer Arbeit, dass man sie 
allein für Balduccids Werk, den Rest für Schülerproductionen halten 
möchte.  Unter dem EinHuss dieses Meisters sind verschiedene Monu- 
mente entstanden, die man in mailändischen Kirchen Endet. (Die Gräber 
der Visconti besonders in S. Eustorgio; ob auch noch in der aufgegebe- 
nen Kirche S. Giovanni in Conca?  Einiges auch im Innern des Domes). 
Sein Schüler war Bonino da Campione. Von letzterem rührt das 
reichgeschmückte Grabmonument des Can Signorio della Scala zu Ve- 
rona (vor 1375) her, und vermuthlich auch das Monument des heil. Au- 
gustinus im Dome von Pavia, wiederum ein Werk von überaus reicher 
Composition (50 Reliefs und 95 Statuen) und ungleich yollendeter, als das 
ebengenannte Monument des Petrus Martyr. 1 
 
di S. Agost-ino, monumento in marmo, esist. nellß ßhieiß 
' C. Ferrari, Parca 
catt. di Pavia.
        

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