Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694197
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Kunst des gothischen Styles. 
Die 
benskraft zu geben wusste.  Sohn und Schüler des Andrea war Nino 
Pisano, ein Künstler, der sich in der Gewaudung durch Adel und be- 
sonders feine Durchbildung auszeichnet. Von ihm rühren in dem Kirch- 
lein S. Maria della Spina zu Pisa eine Halbiigur der Madonna (das 
Kind saugend) und eine Statue derselben 1 über dem Hauptaltare stehend, 
her; sodann in S. Oaterina zu Pisa ein Grabmal vom Jahre 1342 und 
die Statuen der Verkündigung Maria vom Jahre 1370.  Ein Bruder 
des Nino, Tommaso, ebenfalls Bildhauer, ist minder bedeutend. 
Andre namhafte toskanische Bildhauer der Zeit sind: Oinello, von 
dem das Grabmal des Cino d'Angibolgi in der Kathedrale zu Pisto ja, 
1337, gefertigt ward.  Alberto di Arnoldo, um 1360 blühend; von ihm 
eine überlebensgrosse Statue der Madonna und zwei sie verehrcnde Engel 
in dem sog. Bigallo zu Floren-z.  Nicola di Piero Lamberti" aus 
Arezzo, als dessen Hauptwerk die Darstellung einer lilutter der Gnaden 
vom Jahre 1383, über dem Portal der Misericordia zu Arezzo, zu nen- 
nen ist; ausserdem die sitzende Statue des S. Marcus im Dom zu Flo- 
renz.  Bedeutender als diese war Andrea di Cione, genannt Or- 
cagna (e. 1315-76), der zugleich, ähnlich wie Giotto, in den verschie- 
denen Künsten eine höchst erfolgreiche Thätigkeit zeigte. Sein Haupt- 
werk im Fache der Sculptur ist ein Tabernakel in Or San Michele zu 
Florenz, mit der Jahrzahl 1359 bezeichnet und reich mit plastischen 
Darstellungen geschmückt, welche ausser den Gestalten von Engeln und 
Propheten und einigen allegorischen Figuren vornehmlich Scenen aus dem 
Leben der Maria enthalten. Hier zeigt sich eine sehr edle Entfaltung 
des gothischen Styles, die sich besonders an der Himmelfahrt der 
Maria, auf der Rückseite des Tabernakels, zu hoher Anmuth steigert; 
zugleich aber lässt sich das Streben nach jener naturalistischen Behand- 
lung, welche mit dem Beginn des 15. Jahrhunderts entschieden vorherr- 
schend ward, bereits deutlich erkennen. Ausser diesen Arbeiten werden 
noch einige der Sculpturen an der von Andrea erbauten Loggia dei 
Lanzi zu Florenz, Madonna und allegorische Figuren der Tugenden, 
als Arbeiten seiner Hand genannt.  
Neben dem Fache der höheren Sculptur, welches durch die vorge- 
nannten Meister vertreten wird, tinden wir gleichzeitig in Toskana auch 
bedeutsame Arbeiten, welche der Kunst der Goldschmiede angehören. 
In diesem Betracht sind besonders ein Paar Altäre hervorzuheben, die 
reich mit in Silber getriebenen und vergoldeten Darstellungen versehen 
und mit Schmelzfarben u. dgl. geschmückt sind. Der eine von diesen, 
ein vielfach zusammengesetztes und für die Geschichte des itaüenisch- 
gothischen Styles eigenthümlich interessantes Werk, befindet sich in der 
Kathedrale S. Jacopo zu Pistoja. 2 Die Arbeiten, die ihn schmücken, 
rühren von verschiedenen Meistern her. Von einem unbekannten Künst- 
ler wurde gegen das Ende des 13. Jahrhunderts eine Silbertafel mit den 
Gestalten der Apostel, sowie eine Figur der Madonna, über dem Altare 
stehend und dem Style des Giovanni Pisano entsprechend, geliefert. Die 
1 Denkm. der Kunst, 
geschichte, S. 83 ü". 
zur neueren Kunst- 
2 F ö rs ter, Beiträge
        

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