Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694177
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Styles. 
gothischen 
Die Kunst des 
statt weit und breit; dazu kam das damals beginnende Bildungsprincipat 
Toskanrfs über Italien. 
Zunächst nennen wir zwei Schüler Giovannfs, die Brüder Agostino 
und Agnolo aus Siena. Auch sie arbeiteten an den Sculpturen, welche 
die Fagade des Domes von Orvieto schmücken. Ihr Hauptwerk, mit 
ihren Namen und der Jahrzahl 1330 versehen, ist das Grabmal des 
Guido Tarlati, Bischofes von Arezzo,1 im dortigen Dome; dasselbe ent- 
hält eine grosse Menge kleiner figürlicher Darstellungen, namentlich 
Reliefs mit Scenen aus dem Leben des Bischofes, deren künstlerischer 
Werth indess wiederum nicht auf einer sonderlich hohen Stufe steht; 
durch eine unglückliche Aufschichtung geht die Wirkung vollends verlo- 
ren. Ein ebenfalls figurenreiches Altarwerk, in S. Francesco zu Bologna 2 
(nach frühererZersplitterung jetzt wieder an Ort und Stelle), das den- 
selben Künstlern zugeschrieben wird, zeigt eine eigenthümlich zarte und 
anmuthvolle Durchbildung des gothischen Styles, scheint jedoch in die 
spätere Zeit des 14. Jahrhunderts zu gehören; auch hat man dasselbe 
neuerlich, obschon ohne hinlängliche Gewähr, den Venezianern Jacobello 
und Pietro Paolo (von denen unten) zugeeignet.  
Bedeutender war die Einwirkung des Giotto (1276-1336), dessen 
künstlerische Richtung ohne Zweifel zunächst durch die Werke des 
Giovanni Pisano angeregt war, der aber wie kein Anderer seines Volkes, 
den Geist der Zeit zu begreifen und in tiefsinnigen Bildern auszuprägen 
wusste. Seine Hauptthätigkeit gehört dem Fache der Malerei an, doch 
ist er bereits früher als Baumeister genaimt worden, und so sehen wir 
ihn auch hier, bei dem bildnerischen Schmuck, den er seinen Bauanlagen 
gab, für das Fach der Sculptur thätig. Vornehmlich sind hier die zahl- 
reichen Sculpturen zu nennen, welche den Glockenthurm des Domes 
von Florenz (gegründet 1334) schmücken. s Die Grundidee derselben 
gehört jedenfalls ihm an; zugleich wird aber bemerkt, dass er zum Theil 
auch dazu die Zeichnungen geliefert, einige sogar mit eigener Hand ge- 
fertigt habe. Sie bilden einen grossartig umfassenden Cyclus, dessen 
gemeinsamer Gedanke als die „Entwickelungsgeschichte menschlicher 
Bildung" bezeichnet ist. In einer sehr bedeutenden Reihenfolge von 
Reliefs sieht man hier dargestellt: zu unterst die Erschaffung und das 
Leben der ersten Menschen; sodann den Kampf mit der Natur und deren 
Bewältigung, das Gemach des häuslichen Lebens und das Streben in die 
Ferne; hierauf die höheren Künste und Wissenschaften, denen sich 
sehliesslich, als das Ziel menschlichen Strebens, die Tugenden des Chri- 
stenthums und die Läuterimg, welche die Gnadenmittel der Kirche ge- 
währen, anreihen. Zu oberst sind Statuen von Evangelisten, Propheten, 
Patriarchen und Sybillen angebracht, von denen es indess zweifelhaft ist, 
ob sie sich auf Giottds ursprüngliche Ideen beziehen.  Ein zweites 
grosses Werk, das unter Giotto's Leitung begonndn ward, bildeten die 
Sculpturen der (im J. 1588) abgerissenen) Facade des Domes, an welche;- 
man, in besondern Tabernakeln, verschiedene Scenen in Bezug auf das 
Leben der hl. Jungfrau dargestellt sah und ausserdem eine grosse Menge 
 
Taf. 
Kllllßta 
1 Denkm. 
2 Ebenda (2 u. 
3 Ebenda
        

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