Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694106
Periode. 
Dritte 
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vorzügliehern. Ein Antependinm von vergoldetem Kupferblech im Mu- 
seum zu Köln (aus S. Ursula stammend), mit reichen Emailverzierungen 
des Uebergangsstyles, hat an derbStelle der Reliefs Malereien der alt- 
kölnischen Schule.  Oft erhebt sich über kleineren Reliquiarien ein ele- 
ganter goldener Thnrmbau (Beispiele u. a. im Domschatz von Aachen), 
welcher vollkommen die gothische Architektur nachahmt; auch Rauch- 
fässer werden mit Giebeln und Spitzthürmeil versehen; ganz besonders 
aber erhalten die Monstranzen die Gestalt der reichsten, (lnrchsichtigsten 
Thurmarehitektnr (Beispiele auf dem Museum zu Basel n. a. a.  mit 
zahllosen Spitzthürmehen, welche Engel u. dgl. tragen. Selbst an jenem 
schönen alten Bischofsstabe des Domschatzes zu Köln (14. Jahrhundert, 
vorgeblich schon aus dem 12. Jahrhundert) ist der obere Knauf als go- 
thisehes Kirchengebäude gestaltet. Zu keiner Zeit hat die Architektur 
so vollkommen das ganze" Ornament durchdrungen, wie damals; bis in 
die Geräthschaften des täglichen Lebens hinein sucht sie ihre ldealfor- 
men geltend zu machen, und nur der ungemein edle Geschmack der Be- 
handlung lässt vergessen, dass man statt eines Zierrathes ein Gebäude 
vor sich hat. ' 
Ziemlich häuiig sind endlich, wie früher in der deutschen Kunst, so 
auch in der Periode des gothischen Styles die Sehnitzwerke in Elfen- 
bein. Arbeiten solcher Art werden in dieser Zeit vornehmlich zur De- 
koration kleiner tragbarer Altarzierden angewandt; häufig sind es Dip- 
tychen, die, zum Zusammenklappeil bestimmt, an ihren inneren Seiten 
das Schnitzwerk enthalten; zuweilen auch Triptyehen, nach Art jener 
grossen Altarwerke (d. h. aus einem Mittelblatte und zwei Flügelbildern 
bestehend). Dann erscheinen sie auch als Dekoration von Sehmuckge- 
räthen, Kästchen u. (lgL, und bei solchen findet man nicht selten eigen- 
thümliche amnuthige Bilder der Minne, zu denen die lyrischen Gedichte 
der Zeit den Anlass gegeben haben mochten. Mancherlei zierliche und 
artige Schnitzwerke bewahrt u. a. die Sammlung der Kunstkammer zu 
Berlin; einzelne derselben sind von sehr beachtenswerther Schönheit. 9 
Die Münzen dieser Periode beginnen sich erst der Kunstfornl zu 
nähern, während die Siegel zum Theil auf der Höhe des damaligen 
plastischen Styles erscheinen. Derselbe zeigt sich hier bereits in seiner 
ganzen cigenthümliehen Grazie und behauptet selbst das ganze 15. Jahr- 
hundert hindurch neben dem eindringenden Realismus ein gewisses nn- 
verkcnnbares Recht. Als eines der schönen Siegel ist beispielshalber 
dasjenige Kaiser Karls IV. von der goldenen Bulle zu nennen. 
 
' Zahlreiche Belege bei Ileideloif, Ornamentik des Mittelalters.  Rheinische 
(ioldschmiedurbeiten, Franz Kugler, K]. Schriften. II, 333.  Die schöne Mon- 
stranz von Sedletz in Böhmen, s. Mittelalterl. Kunstdenkm. d. österr. Kaiser- 
staates, Lief. II, Taf. 7.  Als Speeimen der oft sehr prächtigen Thürbeschläge, 
Thürhämmer und Schlösser s. ebenda, Lief. VI-VII, Taf. 21 u. 22, die Thüre 
zu Bruek an der Mur.  5' Franz Kugler, Beschreibung der in der kgl. Kunst- 
kammer zu Berlin vorhandenen Kunstsammlung, S. 33 ff. Vergl. Denkmäler der 
Kunst, T. 59 
        

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