Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694070
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Die Kunst des gothischen Styles. 
mit der in Lebensgrösse dargestellten ruhenden Figur des Verstorbenen, 
an ihren Seitenwänden mit kleineren Gestalten, zumeist Heiligen, ge- 
schmückt sind; besonders die Arbeit an diesen kleineren Gestalten kommt 
hier in Betracht. Am Niederrhein, vornehmlich in Köln, erkennt man 
in diesen Arbeiten eine Entwickelung der Sculptur, welche der hohen 
Blüthe der gleichzeitigen Malerschule von Köln würdig zur Seite steht. 
Als einige vorzügliche charakteristische Beispiele mögen die folgenden 
gelten.  Zunächst die Sculpturen an dem Sarkophage des Erzbischofs 
Engelbert III. (gest. 1368), im Kölner Dome (Chorumgang, unfern des 
Einganges zur grossen Sakristei). Hier erscheinen die kleinen Heiligen- 
figuren in einer sehr treiflichen und geläuterten Entwickelung des go- 
thischen Styles, ihre Köpfe zum Theil in derjenigen Formenbildung, 
welche der Kölner Malerschule eigen ist.  Ihnen ähnlich die kleinen 
Heiligenfiguren an dem Grabmale des Erzbischofs Cuno von Falkenstein 
(gest. 1388), in St. Castor zu Coblenz; auch an der über lebensgrossen 
Gestalt des Erzbischofes ist hier die ausgezeichnet individuelle Durchbil- 
dung des Kopfes zu rühmen.  Alles Aehnliche aber übertreffen die 
Heiligenfiguren, welche den Sarkophag des Erzbischofes Friedrich von 
Sarwerden (gest. 1414) im Dome von Köln (Marienkapelle) schmücken. 
Mit einem sehr feinen körperlichen Gefühle verbindet sich hier die höchste 
Anmuth und Zartheit in der Linienführung, namentlich der Gewänder; 
es ist das schönste Erbe des gothischen Elementes, zu seiner lauter- 
sten Vollendung entwickelt. Die deutsche Sculptur erscheint hier auf 
einer Höhe, dass sie keinen Vergleich zu scheuen hat. Die Gestalt des 
Erzbischofes ist in Bronze gegossen; tüchtig gearbeitet, und besonders 
der Kopf wiederum in sehr lebendiger Individualisirung, erreicht sie doch 
nicht das Verdienst jener kleineren Sandstein-Sculpturen. 1 
Das Material der- Bronze erscheint in der deutschen Kunst des 
gothischen Styles für selbständig bedeutsame Werke nur wenig in An- 
wendung gekommen zu seinÄ Ein Hauptwerk dieser Art ist die Grab- 
statue des Erzbischofs Oonrad von Hochs-faden im DOIII Zu Köln (er 
starb 1261, allein das Denkmal stammt wohl erst aus dem 14. Jahrhun- 
dert); Gewandung und Hände erinnern bereits etwas an die Apostel im 
Chore, dagegen ist der Kopf von höchster künstlerischer Freiheit und 
edelster Behandlung des Individuellen.  Sodann ist die Reiterstatue des 
h. Georg zu nennen, welche sich in Prag auf dem Schlosshofe vor dem 
Dome befindet und im J. .137?) durch Martin und Georg von Clus- 
senbach gegossen wurde. 2 Sie vereint mit typischer Strenge ein glück- 
liches Streben nach Naturwahrheit. (Die angeblich im J. 1562 erfolgte 
Restaurations kann sich nur auf unbedeutende N ebendinge bezogen ha- 
ben.)  Zumeist sind es nur grössere kirchliche Geräthschaften  
die man aus Bronze fertigte, und allerdings oft mit bildnerisohem Schmucke 
1 Zahlreiche andere Grabmäler iu_1 Kölner Dome sind nicht von höherer Be- 
deutung.  2 Franz Kugler, Kl. Schnften, II, S. 495.  Ambros, der Dom von 
Prag, S. 35:2.  3 Fiorillo, Gesch. der zeichn. Künste in Deutschland, I. S. 134-.
        

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