Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694041
Dritte Periode. 
135 
In Nürnberg blühte bald nach der Mitte des 14. Jahrhunderts ein 
ausgezeichneter Bildhauer, Sebald Schonhofer. Von ihm rühren an- 
geblich die Bildwerke an der Vorhalle der dortigen Frauenkirche (1355 
bis 1361), eine in zahlreichen Statuen und Reliefs durchgeführte Verherr- 
lichung der Maria, Arbeiten von lebendigem Ausdruck innerhalb des all- 
gemeinen zeitüblichen Idealstyles. Mit Unrecht wurden seither demselben 
Meister die allerdings kunstverwandten, vor Kurzem fast gänzlich erneuer- 
ten Statuen an dem urkundlich von 1385-96 errichteten „schönen 
Brunnen" zugeschrieben. ' In diesen Arbeiten erscheint der gothische 
Styl in sehr würdiger, zum Theil eigenthümlich grossartiger Ausbildung; 
mit dem weichen Fluss, den seine Linien bedingen, verbindet sich hier 
eine edle Fülle und ein glückliches Streben nach freier, naturgemässer 
Durchbildung.  Von den übrigen Kirchensculpturen sind vorzüglich er- 
wähnenswerth: an der Lorenzkirche das grosse Hauptportal (schwer- 
lich schon von 1275-80): eine Ohristusiigur an der einen Südpforte, ganz 
ähnlich wiederholt an der Jacobskirche, sodann an der Sebaldskirche 
die sogenannte Anschreibthür (1345), die Thür des südlichen Schiffes und 
die höchst elegante Brautthür (gegen 1400) u. a. m. In manchen Sculp- 
turen des beginnenden 15. Jahrhundertsklingt Schonhofefs Einiiuss nach. 
 Im Dom von Prag eine in jeder Beziehung vorzügliche Statue des 
heil. Wenceslaus 2 von dem oben als Baumeister genannten Peter Ar- 
ler, und eine Folge merkwürdiger Porträtbüsten an der Galerie des 
Triforiums. 
Zu Erfurt ündet sich innerhalb des Lettners der Predigerkirche 
eine vorzüglich schön behandelte Madonnenstatue. 3 
Zu Halle enthält die Moritzkirche von einem Meister des be- 
ginnenden 15. Jahrhunderts, Gonrad von Eimbeck' eine Anzahl Sculp- 
turen, welche sich durch Entsbhiedenheit in der Behandlung des Nackten 
und durch glücklich derbe naturalistische Züge auszeichnen: die Hoch- 
reliefgestalt des hl. Mauritius (genannt Schellenmoritz, vom J. 1411), eine 
colossale Christusstatue (1416) u.   Als ein merkwürdiges Beispiel 
der Herstellung dauerhaft farbiger Sculptur für das Aeussere von Gebäu- 
den erscheint die 25 Fuss hohe Hochrelieffigur der Maria mit dem Kinde, 
welche sich am Chor der Liebfrauenkirche auf Schloss M arienburg in 
Preussen befindet; sie besteht aus Stucco und ist durchaus mit einem 
Mosaiküberzuge (von farbigen oder vergoldeten Glasstücken) versehen. 
Der plastische Styl ist an diesem Werke zwar keineswegs ausgezeichnet, 
(der farbige Glanz desselben jedoch von sehr eigenthümlicher Wirkung, 
zumal wenn es, von der Frühsonne besehienen, weit über die Landschaft 
hinausleuchtet.   
Die Fratzengebilde, welche hauptsächlich als Wasserspeier und 
untere Giebelausläufe in grosser Menge vorkommen, erheben sich selten 
zu humoristischer oder dämonischer Lebendigkeit und sind fast überall 
 
1 Die letzteren treiflich gestochen von A. Reindel.  Für alles Uebrige vgl. 
v. Rettberg, Nürnbergs Kunstleben etc. S. 20 ff.  2 Ambros, der Dom von 
Prag, S. 207 u. 276.  3 Ueber die Sculptmen von Erfurt s. Kugler, K1. Schrif- 
ten, II, S. 27.  4 S. ebenda, S. 29.  
        

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