Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694029
Dritte Periode. 
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scharfes und entschiedenes Betonen des besonderen bildnissartigen Aus- 
drucks geltend, meist jedoch mit einer gewissen Einseitigkeit, vor welcher 
die strengere stylvolle Fassung verloren geht und einem mehr genrehaf- 
ten Gepräge weichen muss.  Eine auffallende und im Norden fast völ- 
lig vereinzelte Gattung von Denkmälern sind jene Tabernakel mit den 
Statuen der Königin Eleanor, die von ihrem Gemahl, Edward I. (1272 
bis 1307) an mehreren Stellen errichtet wurden, und von denen sich die 
zu Northampton, Geddington und Waltham erhalten haben. 
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Die grosse Fülle von Sculpturen an Kirchen, 1 öffentlichen Gebäuden 
und Brunnen des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts ist noch nicht 
genug nach Stylnuancen gesondert, doch lässt sich in der Nähe einzelner 
besonders grosser Bauten eine auch in weiterm Umkreis herrschende Dar- 
stellungsweise darthun oder doch annehmen, welche man immerhin als 
getragen von einer Schule betrachten darf.  
Dies gilt zunächst von den Werken des Domes zu Köln: zunächst 
die Statuen des Heilandes, der Maria und der Apostel im Chore (geweiht 
1322); in der geschwungenen Haltung nicht ohne Manier und Aifectation, 
in den Köpfen noch typisch, erregen sie doch durch die höchst meister- 
liche Behandlung der schön iiiessenden Gewänder und durch die pracht- 
volle, in sehr bestimmtem und mit dem Gebäude harmonischem Styl 
durchgeführte Polychromie Bewunderung; 2  edler, in Körperlichkeit 
und Stellung weniger conventionell, aber auch minder fein durchgeführt 
sind sodann die etwas jüngeren Sculpturen an dem südlichen Portal der 
Fagade. Dann die Sculpturen an den Wänden des Hochaltares (1349), 
die Apotheose der heil. Jungfrau und die zwölf Apostel unter zierlichen 
Tabernakeln darstellend, aus weissem Marmor auf sehwarzmarmornem 
Grunde; wohlgearbeitete und weichgebildete, doch noch nicht mit vorzüg- 
lich feinem Gefühl behandelte Gestalten. (Von denen, die früher die 
Rückseite des Altares schmückten, werden einige im städtischen Museum 
zu Köln aufbewahrt.)  Anderes aus jener Zeit und Gegend: die zum 
Theil verstümmelten Statuen am Rathhausthurm zu Köln (1407-1414), 
die 9 allegorischen Figuren im Hansesaal desselben Gebäudes (Repräsen- 
tanten der Hansa?);  die Verkündigung an der Westseite der Kirche 
von Altenberg unweit Köln, u. a. m. 3 Etwas Gemeinsames wird man 
vielleicht am ehesten in dem Fluss der Gewandung nachweisen können; 
auch in den Köpfen zeigt sich hie und da eine Verwandtschaft mit Bil- 
dung und Ausdruck des Meisters Wilhelm.  Den Uebergang in den ent- 
1 Auch einige nicht streng mit den Gebäuden verbundene Steinseulpturen 
werden hier 3,111 besten mit erwähnt.  2 In Farhendiuck herausgeg. von Levy 
Elkanv mit Text von Relchellßperger.  3 "Das mehrfach eitirte Werk von E. 
aus'm Weerth enthält besonders rheinische Sculpturen aus dieser Zeit.  Eine 
chronologische Zusammenstellung, wobei auch die Grabmäler (siehe unten) einge- 
schaltet sind, in Kuglerßs K1. Schriften II, S. 259 H.  Statuen vom Dom s. Denk- 
mäler der Kunst, T. 59 (31 4)-  F. H. Müller, Beiträge zur deutschen Kunst- 
und Gesehichtskunde.  Denkmäler der Kunst, T. 59  
        

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