Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693929
Dritte Periode. 
123 
Pistoja vom J. 1301; dagegen zeigt das Grabmal des im J. 130-1 ge- 
storbenen Papstes Benedikt XI. in S. Domenico zu Perugia entschieden 
Spitzbogige Formen, einen breiten gothisehen Tabernakelbau auf gewun- 
denen Säulen. -Rundbogig dagegen in einer an die Antike erinnernden 
Weise ist das Grabmal des Bischofs Guido Tarlati im Dom von Arezzo, 
11m 1330 von Agostino und Angele von Siena ausgeführt.  Den 
höchsten Rang nimmt das von Orcagna 1359 entworfene Altartaber- 
nakel im Or S. Micchele ein, dessen Composition ebenso edel und ge- 
messen, wie die musivische und figürliche Ausstattung meisterhaft durch- 
gebildet erscheint. 
In Ober-Italien sind zunächst einige kirchliche Denkmäler Mai- 
lands zu nennen. Vom Anfange des Jahrhunderts S. Marco, in der 
Disposition an altlombardische Weise erinnernd, die Fagade zwar mit 
Rundbogen, aber zugleich mit glänzender gothischer Dekoration;  der  
reich entwickelte Thurm von S. Gotardo (1336)  S. Simpliciano in 
vorzüglich edler Durchbildung; u. a. 
In Pavia gehört hieher die Fagade von S. Francesco, die unte- 
ren Theile noch altlombardisch, die oberen dagegen in brillanter gothi- 
scher Dekoration durchgeführt;  an S. Pantaleone, auch S. Maria 
del Carmine genannt, kommen reiche Fenstermaasswerke, Spitzbogenpor- 
tale und ein prächtiges Radfenster vor.  Eine glänzend geschmückte 
Ziegelfacade hat sodann die kleine Kirche S. Maria in Strata zu 
Monza vom J. 1337, namentlich eine grosse Fensterrose und reiche Fene 
stermaasswerke;  ähnliche Prachtdekoration, aber in Marmor, zeigt die 
Facade des Domes ebendaselbst, eines dreischifiigen Baues mit Kapel- 
lenschiffen, deren Anlage auch die fünftheilige Disposition der Facade 
bedingt. 
An der Gränze dieser Epoche stehen endlich: der im Jahr 1'396 be- 
gonnene Dom zu Como, mit weiträumigem, wohl disponirtem Langhaus 
und brillanter Marmorfacade in demselben rein dekorativen Sinne, dem 
eine strengere architektonische Rhythmik allerdings abgeht;  und die 
in demselben Jahre begonnene Kirche der Oertosa bei Pavia. Das 
Innere, dreischifiig, mit Kapellenreihen, entwickelt sich zu bedeutsamer 
Wirkung durch die weiten Pfeilerabstände und die beträchtliche Höhe 
der Seifenschiiie, sowie die reiche malerische Dekoration der Kreuzge- 
wölbe. Rundbogige und spitzbogige Formen wechseln, ja im Chor und 
Querhaus gewinnt die rundbogige romanische Disposition gänzlich die 
Herrschaft, und ähnlich erscheint auch das Aenssere des Langhauses rein 
romanisch. Die Facade ist ein brillantes Werk der Frührenaissanca 
Durchaus abweichend von allen übrigen Werken italienischer Gothik 
erscheint der Dom zu Mailand, 1 1386 begonnen und nach langsamer 
Bauführung erst in neuerer Zeit vollendet. Es ist ein Werk von mächtig- 
sten Dimensionen, und von prachtvollster Ausstattung, ganz aus weissem 
Marmor hergestellt. Die Anlage, fünfschiffig, mit dreischiffigem Querllallß 
und polygon geschlossenem Chor, hat die Grundzüge nordischer, nament- 
Lili- 
Denkmäler der Kunst,
        

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