Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693873
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Die Kunst des gothischen 
Styles. 
Von dekorativen "Werken sind hier die Tabernakel über Grab- 
mälern zu nennen, die manche fremde Einflüsse zu verrathen scheinen. 
So in der Kirche von Westminster zu London das Grabdenkmal des 
Aymer de Valence (gest. 1323) in der Art italienischer Gothik:  so in 
der Kathedrale von Grloucester das Grabmal König Edwards II. 
(gest. 1327), in spielenden Formen und missverstandener Nachahmung 
französisch-deutscher Auffassung.  In späterer Zeit tritt eine selbständi- 
gere Behandlung ein, wie am Grabmonumente Edwarcfs III. (gest. 1377) 
in der Westminsterkirche, ein zierlicher Baldachinbau, derjedoch 
in Holz ausgeführt ist. 
In Schottland führten die Kämpfe mit England im Anfang dieser 
Epoche zu einer fast gänzlichen Vernachlässigung künstlerischer Thätig- 
keit; nur wenige und schmucklose Werke datiren aus dieser Epoche, und 
erst der spätere Verlauf derselben nimmt einen lebendigeren Anlauf zu 
architektonischen Leistungen. Sehr schlicht und einfach ist der Chor der 
1330 gegründeten Carmeliterkirche von South-Queensferry;  
ähnlich die Kirche des Dorfes Temple. 
Seit der Mitte des Jahrhunderts steigert sich die schottische Archi- 
tektur zu eigenthümlich bedeutsamer Entfaltung, zu einer mit älteren 
Reminiscenzen, namentlich dem Halbkreisbogen, vielfach verbundenen 
dekorativen Ausbildung, die oft Werke von hoher Grazie hervorbringt. 
Hier sind zu nennen: die zierliche Kreuzkirche von St. Ronance, an- 
geblich um 1369 vollendet;  die Kathedrale von Old-Aberdeen, am 
Ende des Jahrhunderts erbaut, ein Granitbau von schlichter Behandlung; 
besonders die älteren Theile der Kirche St. Giles zu Edinburg, nach 
einem Brande vom J. 1355 aufgeführt, besonders durch das charakteri- 
stische schottische Tonnengewölbe bemerkenswerth, andre Theile nach 
einem Brande vom J. 1385, so im J. 1387 mehrere Kapellen der Südseite, 
mit einem graziösen Rundbogenportal, einem Meisterwerke national-schot- 
tischer Gothik.  
Der s c a n d in a v i s c h e Norden weist vereinzelte Werke dieser 
Epoche auf, keins freilich von der hervorragenden Bedeutung des Doms 
zu Drontheim. 
In Schweden gilt als das bedeutendste Denkmal des Landes der 
Dom zu Upsala, 1 der von einem französischen Baumgigter Etienne 
de Bonneuil 1287 erbaut sein soll. Der Chor zeigt die französische 
Anlage, das Schiff scheint dagegen den norddeutschen Backsteinbauten 
des 14. Jahrhunderts zu entsprechen. Dies ist auch das Verhältniss der 
Bauwerke auf Schonen, von denen die Peterskirche zu Malmö mit 
der Ohoranlage des Doms zu Lübeck Verwandtschaft zu haben scheint. 
In Dänemark ist der schlank entwickelte Chor des Doms zu Aar- 
huus im Styl dieser Epoche behandelt. 
Auf den Faröer-Inseln erinnert die Ruine der Kirche zu Kirke- 
böe auf der Insel Strömöe an die englische Gothik der Frühzeit dieses 
Jahrhunderts. 
1 Denkmäler der Kunst, T. 56
        

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