Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693793
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Die Kunst des gothischen 
Styles. 
Unter den für die folgende Epoche bedeutenden Kirchen Danzigs, 
deren Gründung und erste Anlage meistens in's 14. Jahrhundert fällt, 
gehört ihrer wesentlichen Ausprägung nach nur die Dominikauerkirche 
hierher, eine Anlage von edlen, schlanken Verhältnissen, mit eingezogenen 
Strebepfeilern und einfach, aber ungemein klar und lebendig geglieder- 
tem Giebelbau.    
Ausserdem datiren aus der Mitte des 14. Jahrhunderts die Gewölbe 
im Chor, den Chorumgängen und den Seitenschiffen der Klosterkirche zu 
Oliva bei Danzig, sowie die schönen Kreuzgänge und das mit denselben 
verbundene Brunnenhaus daselbst.   
In Litthauen ähnliche Schlossanlagen wie die preussischen zu 
Christ-Memel, mit stattlichen Baeksteinthürmen, ein Thurm zu Rau- 
donen, und eine spätgothische Bernhardiner-Klosterkirehe zu Kowno 
(Kauen).  
In Kurland nennt man als das älteste Schloss das der Schwert- 
briider zu Dondangen. 
In Esthland das Brigittenkloster und das Padiskloster 
bei Reval.  
rankr 
Das nördliche Frankreich hatte in der vorigen Epoche die stufen- 
weise Ausbildung des gothischen Systems bis zu seiner edelsten, reichsten 
und klarsten Entfaltung gesehen. Schon im späteren Verlaufe des drei- 
zehnten Jahrhunderts trat ein Stillstand ein, die unglücklichen Kriege mit 
England, die Eroberung wichtiger Provinzen durch die Fremden raubte 
Stimmung und Mittel zu künstlerischen Unternehmungen, so dass das 
14. Jahrhundert hier wenig Bedeutendes entstehen sah.  
Die Normandie steht in Reichthum und Fülle der architektonischen 
Denkmäler in erster Reihe. Eins der wichtigsten Werke dieser jüngeren 
Epoche ist S. Ouen zu Rouenf 1318 gegründet, der Ohorbau bald 
nachher vollendet, das Uebrige der Spätzeit angehörend. Die Anlage 
folgt in etwas einfacherer Weise dem bekannten Schema, und der Chor 
zeigt auch in den Details noch Nachwirkungen der früheren Epoche.  
Ebenfalls im Anfange des Jahrhunderts erhielt die Kathedrale zu Rouen 
ihre zierliche langgestreckte Marienkapelle an der Ostseite des Ohores, 
sowie die erst in späterer Zeit vollendeten glänzenden Querschifffaeaden. 
 Aus derselben Epoche die Marienkapelle der Kathedrale von Coutan- 
ces.  Wichtiger die westlichen Theile der Kirche St. Pierre zu Caen, 
vom Anfange des 14. Jahrhunderts, besonders durch die cdle Entfaltung 
des Thurmbaues bemerkenswerth.  
In den übrigen Nordprovinzen erhalten die grossen Monumente der 
früheren Epoche mehrfach Zusätze, an denen der reiche dekorative Styl 
des 14. Jahrhunderts sich geltend macht. So das prachtvolle Fenster am 
Südgiebel der Kathedrale von Laon, und die am Langhause den 
Strebepfeilern eingefügten Kapellen; so die äusseren, ebenso angelegten 
1 Denkmäler der 
Kunst,
        

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