Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693727
Dritte Periode. 
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Marienkirche, einem weiträumigen fünfschiffigen Hallenbau mit drei- 
schifügem, lang vorgelegtem, in dreifachem"Polygonschluss endenden Chor 
und edel entwickelten Detailformen. Die J akobikirche und die Geor- 
genkirche sind einfachere Bauten derselben-Zeit. 
In Hessen und Westphalen gewinnt die Hallenkirche immer all- 
gemeinere Herrschaft und gleichmässigere Ausprägung. Von der Stifts- 
kirche zu Wetzlar gehören in diese Epoche der in reich entwickelter 
rheinischer Gothik ausgeführte nördliche Querschifffiügel aus der Frühzeit 
des 14. Jahrhunderts, und aus der späteren Zeit derselben Epoche das 
nördliche Seitenschiif sammt den Mittelschiifgewölbcn. Direkte Einwirkung 
der Elisabethkirche zu Marburg zeigen die Kirchen von Grünberg: 
Friedberg, die Klosterkirche zu Haina, die Kirchen zu Frankenberg, 
Wetter, Alsfeld u. A., zum Theil noch der vorigen Epoche angehörig. 
Die westphälischen Bauten nehmen die Hallenanlage in möglichst 
schlichter Auffassung, ohne besondere Mamiigfaltigkeit der Oonception 
oder reichere Detailbehandlung auf. Ein Hauptwerk von noch verhält- 
nissmässig strenger Richtung ist die Licbfrauen- oder Ueberwasser- 
kirche zu Münster, vom J. 1340, mit lang vorgelegtem einschiffigem 
Chor, edel entwickeltem Langhaus und stattlich massenhaftem Westthurm. 
Aehnlich eine Reihe kleinerer Bauten, die Kirchen zu Wolbeck, Havix- 
beck, Stromberg, mit freierer, weiterer Raumentfaltung die Pauls- 
und die Minoritenkirche zu Soest, die Kirche zu Menden aus der 
Mitte, die Pfarrkirche zu Werl vom Ende des 14. Jahrhunderts.  An- 
dere versuchen, nach der Analogie des Mindener Doms, eine lichtere und 
kühnere Ausprägung des Hallenbaues und lehendigere Gliederung des 
Einzelnen. So das Langhaus der Marienkirche in Osnabrück, 1318 
geweiht, in besonders edler Entfaltung des Styls, die frei und schlank 
aufsteigende Stiftskirche S. Maria zu Herford, mit geradlinig schlies- 
sendem Chor und einfach klar dekorirten Giebeln; die 1340 begonnene 
Katharinenkirche zu Osnabrück, die Martinikirche zu Münster, 
die Nikolai- und die Martinikirche zu Bielefeld, die Johannis- 
kirche zu Herford u. A. Dazukommen einige Klosterkirchen, zum 
Theil von stattlichen, weiten und lichten Verhältnissen, wie die Domini- 
kanerkirche zu Dortmund (der Chor 1353 geweiht, das Schilf später), 
die Minoritenkirche zu Münster, die Klosterkirche zu Höxter u. A. 
Den Uebergang zur Bauweise des folgenden Jahrhunderts machen 
sodann Bauten wie die Lambertikirche zu Münster und die Marien- 
kirche zur Wiese in Soest, von denen später zu reden. 
Auch der Profanbau nimmt in dieser Epoche in Westphalen einen 
bemerkenswßrfhen Aufschwung und bringt Werke wie die glänzend deko- 
rirte Facade "des Rathhaus es zu Münster mit unterem. offenen Hallen- 
geschoss und klar entwickeltem Giebel, und die einfachere Facade des 
Rathhauses zu Lemgo hervor.    
Das östlich angränzende Gebiet von Hannover folgt in der Anlage 
der Kirchen dem westphälischen Hallensystem, gebraucht aber in der 
Ausführung das Material des im deutschen Nordosten herrschenden Back-
        

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