Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693664
Dritte Periode. 
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Einzelnen weisen auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts hin. Die 
Gesamrnthöhe des Thurmes erreicht 386 Fuss. 
Eine hallenartige Anlage mit fünf Schiffen ist sodann das Langhaus 
von S. Thomas in Strassburg, angeblich 1313-30 ausgeführt; der in 
diesen Gegenden gewölmlichen Anlage niederer Seitenschiife folgen da- 
gegen das Münster von Colmar, als dessen Hauptbaumeister der im J. 
1363 verstorbene Meister Wilhelm von Marburg gilt; der Westbau 
der Hauptkirche von Schlettstadt, die Kirche zu Haslach bei Strass- 
burg u. A.  Bedeutend sind sodann die Wiederherstellungs-Bauten, 
welche nach der durch das Erdbeben vom J. 1356 erfolgten Zerstörung 
am Langhause des Münsters zu Basel ausgeführt wurden. Zu ihnen 
gehört namentlich das noch in strengen Formen würdevoll behandelte 
WVestportal.  
In Schwaben sind zunächst die Chöre der St. Georgs- oder Fran- 
ciskanerkirche und derDionysiuskirche zu Esslingen zu nennen, 
beide einschifiig, lang vorgelegt, jener der Mitte, dieser dem Ende des 
14. Jahrhunderts angehörend; sodann die Cistercienserkirche Heiligkreuz 
vom J. 1319, mit geradlinig schliessendem Chor und grossem Ostfenster, 
und ähnliche Fenster in den älteren Chören zu Maulbronn und Beben- 
hausen. 1  
Interessant durch seine Verwandtschaft mit den Formen des Prager 
Doms und durch seine malerische Ausstattung ist die kleine Veitskirche 
zu Mühlhausen am Neckar, die 1380 erbaut wurde. 
Als der bedeutendste schwäbische Bau dieser Epoche ist das Münster 
zu Ueberlingen am Bodensee zu nennen, ein in der zweiten Hälfte des 
Jahrhunderts ausgeführter Bau von beträchtlichen Dimensionen, fünfschifflg 
mit zwei Kapellenreihen und abgestufter Höhenentfaltung; der Chor lang 
vorgelegt, einschifiig. 
Baiern hat im Schiffbau des Domes zu Regensburg 2 während des 
14. Jahrhunderts ein bedeutendes Denkmal dieser Epoche aufzuweisen. 
Das Langhaus ist dreischifüg, in weiten und mächtigen Dispositionen und 
edlen Verhältnissen ausgeführt, die Gliederung der Pfeiler und Rippen 
klar und flüssig, die Fenster mit den Triforien organisch verbunden und 
consequent durchgebildet.  Hieher gehören ferner die grossräumige und 
einfache lilinoritenkirche zu Regensbuyg vom Anfange des 14. Jahr- 
hunderts, und jene grösseren Kirchen zu Freising: S. Johannes, 1319 
bis 1321 erbaut, in der Masse aus Ziegeln, im Detail aus Haustein, und 
die Benediktinerkirche, um 1345 aufgeführt, im Innern modernisirt, 
endlich das Mittelschiff und der Thurmunterbau der Jodocuskirche zu 
Landshut, zwischen 1338 bis 1368 erbaut.  
In den österreichischen Landen tritt uns als bedeutendstes Werk 
dieser Epoche der Dom St. Stephan zu Wien entgegen. 3 Der Chor, 
1340 geweiht, entwickelt sich in grossartigen Dimensionen als dreischifliger 
Hallenbau mit polygonen Schlüssen, das Langhaus ist seit 1359 dem 
1 Dr. Leibnitz im 2. Suppl. zu den schwäbischen Denkmälern von Heidelßif- 
2 Denkmäler der Kunst, T. 54 A. Details.  3 Ebenda, T. 55, Fig. 7-9. 
K11 gler, Handbuch der Kunstgeschichte. II. 7
        

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