Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693603
Zvvreite Periode. 
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naive Technik der älteren oberdeutschen Arbeiten wiederholen und noch 
im Uebergange vom romanischen zum gothischen Style stehen, aber mit 
bezeichnender Wendung zu den Typen des letzteren und mit scharfem, 
in der Geberdung manieristischem Hervorheben sentimentaler Stimmung, 
Dann die Bilder in den Sammlungen von Minneliedern, 1 welche die Bild- 
nisse der Dichter in mannigfacher Situation, mehrfach in der Andeutung 
dramatischer Scenen vorführen. Die ältesten sind die der Weingartner 
Minnesänger-Handschrift in der Privatbibliothek des Königs von Württem- 
berg, zu Stuttgart, der zweiten "Hälfte des Jahrhunderts angehörig, 
Darstellungen von schlichter Strenge im ausgesprochen gothischen Typus 
der Zeit, einfach colorirt und mit den besprochenen, an das Princip der 
Glasmalerei erinnernden starken Umrisslinien. Dieselben Darstellungen, 
zu reichern Motiven ausgestaltet, wiederholen sich in jüngeren Arbeiten, 
einem Handschriftfragment der Berliner Bibliothek und in den Bildern 
der grossen Manessdschen Minnesänger-Handschrift, welche sich in der 
Bibliothek von Paris befindet. Die letzteren, der Zeit um 1300 ange- 
hörig, künstlerisch zwar ebenfalls von untergeordnetem Belang, sind doch 
durch die Fülle naiv sinniger Motive, welche darin zu1' Erscheinung kom- 
men, sehr beachtenswerth. 
Der deutschen Miniaturzeichnung schliesst sich auch in der gegen- 
wärtigen Epoche, vvie zu Anfange des Jahrhunderts (vergl. I, S. 567) 
böhmische Kunstthätigkeit an. Eine grosse Bilderbibel in der Lobk0- 
witz'schen Bibliothek zu Prag, in deren Darstellungen sich den bibli- 
schen Scenen andre aus der Geschichte des Antichrist und aus der Legende 
des h. Wenzel ein- und anreihen, ist durch dramatische Belebung der 
einzelnen Vorgänge besonders ausgezeichnet. 2 
Dekorative 
Kunst 
Der dekorativen Kunst, namentlich der, Metallarbeit, welche auf die 
Zuthat bunter Schmelzfarben berechnet und deren Praxis durch ein brei- 
tes handwerkliches Vermächtniss getragen ist, wird der Uebergang in die 
neuen Stylbedingnisse schwer. Sie hält auf geraume Zeit an den über- 
lieferten Mustern fest, in diesen stets von eigenthümlichem Reize, in den 
Bildungen, welche eine selbständige Entwickelung verlangen, insgemein 
starr und geistlos. Die schon erwähnten Grabmonumente der Kinder 
König Ludwigs des Heiligen, gegenwärtig in St. Denis (S. 76) geben 
dafür einen sehr bezeichnenden Beleg,  zugleich für die reichliche 
Ausübung, welche die Technik überhaupt in Frankreich fand, und für 
die Werthschätzung, welche ihr dort zu Theil wurde. England bezog 
von dort, wie aus urkundlichen Nachrichten erhellt, ähnliche Arbeiten für 
denselben Bedarf; das in der Westminsterkirche zu London befindliche 
 1  
1 v. d. Hagen, Handsehriftengemälde etc. der deutschen Liederdiohter des 12- 
bis 14. Jahrhunderts.  2 Waagen, D. Kunstblatt, 1850, S. 148, setzt diese Ar- 
beiten in die Zeit von 1260-80,  Schnaase, Gesch. d. bild. Künste, V, I, S1 6391 
vor 1250.   
        

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