Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693441
Zweite Periode. 
75 
ten Unterschieden der künstlerischen Kräfte. Es fehlt nicht an Sculpturen, 
welche wiederum noch jenes Gepräge alterthümlicher Strenge tragen, doch 
sich zugleich durch grossartige und kraftvollere Gesammtmotive, zum 
Theil in merkwürdiger Annäherung an die Principien klassischer Gewan- 
dung, auszeichnen; es fehlt nicht an solchen, die eine schwere, plumpe, 
barbaristisch rohe Behandlung zeigen. Andre, in erheblicher Zahl, haben 
das Gepräge eines freien Adels, in der Haltung und Geberde des Kör- 
pers, in den grossen und breiten Motiven der Gewänder, in dem seelen- 
vollen Ausdruck der Köpfe. Zur lauteren Vollendung  über die Schran- 
ken stylistischer Beschränkung hinaus  steigert sich diese letztere Rich- 
tung in der Statue eines segnenden Christus am Portal des nördlichen 
Querschitfflügels, einer Gestalt von edelster Körperlichkeit, von einer Ge- 
wandung, welche den alten Salvatortypus in feierlichster Würde und flüssig 
freier Bewegung wiedergiebt und nicht minder in Kopf und Antlitz (bei 
nur noch etwas starr gebildeten Augen) den Ausdruck erhabenster Milde 
erreicht.  Auch die Sculpturen im Innern der 
x Ste. Chapelle zu Paris, Apostelstatuen u. A., 
,ef: zeigen die Vollentwicklung des Styles, die grossen 
  Linien desselben in freier Würde und Fülle zur 
  Erscheinung bringend. 
( (l   Dieselbe bildnerische Ausstattung, in grösse- 
    rem oder geringerem Umfange, die verschiedenen 
, l maß  Stufen der Entwickelung bezeichnend, wiederholt 
    sich mannigfach an andern Monumenten der nord- 
t ääilfp, " östlichen Districte. Nähere Forschungen und Mit- 
  l  theilungen über ihren künstlerischen Gehalt, als 
 , , l mit lOlS Jetzt uberhaupt vorliegen, werden in Zukunft 
  {L i, ,i,t  hoffentlich umfassendere Belehrung gewähren.  
 13 die  Bei Uebertragung des architektonischen Sy- 
"   . l  fit] stems in die andern Provinzen von Frankreich 
llilltif 1,7?  scheint der bildnerisohen Zuthat im Ganzen nicht 
 Will,"  dieselbe Bethätigung zugewandt zu_ sein. Die 
ä?    Normandie sieht hievon, wie schon früher angedeu- 
   tet, in den meisten Fällen ab. Doch finden sich 
   auch hier im Einzelnen sehr bemerkenswerthe Bei- 
   x   spiele. So an den alten Theilen der Facade der 
 Kathedrale von Rouen, wo z. B. die Reliefdar- 
Apogtelstatlte in der sie am- stellungen in dem Bogenfelde des einen Seitenpor- 
Pene zu Patfihglfch Vione" tales (aus der Geschichte des Täufers Johannes) 
  einen Styl von herber Feinheit, aber mit lebhafter 
Empfindung für das Körperliche und mit hoher Würde in den weitfaltigen 
Gewändern entwickeln. In Burgund sind die in strengem Adel behandel- 
ten Sculpturen am Portal der Kathedrale von Auxerre, auch einzelne, 
in ähnlichem Sinne durchgebildete Dekorativsculpturen in den Kirchen 
von Vezelay und von Semur-en-Auxois,  im Südwesten dienißhf 
minder trefflich ausgeführten Arbeiten an dem Portal von St. Severin zu 
Bordeaux vom Jahr 1267 hervorzuheben.
        

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