Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687024
Anhang. 
Monumente in Kleinasien. 
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lieh von diesen, bei dem Dorfe Euyuk. 1 Bei dem erstgenannten Dorfe 
sind es die Uebel-reste einer ausgedehnten Stadt, Pterium oder Tavla,  
die mächtigen Mauern in der kyklopischen Bauweise der (später zu be- 
sprechenden) pelasgischcn Völker ausgeführt. Ein Thor,_an dessen Pfosten 
streng alterthümliche Löwenköpfe vorspringen, hatte eine halbrunde, aus 
einem Steine gearbeitete Ueberwölbung; ein Marmorthroil hat zu den 
Seiten zwei ebenfalls sehr alterthümliche und zuglelch fast nach ninivi- 
fischer Art; angeordnete Löwen. Die Grundlagen eines Tempels oder Pal- 
lastes, aus kolossalen, sorgfältig bearbeiteten Blöcken bestehend, umfassen 
einen Raum von 140 Fuss Breite und 200 Fuss Länge; sie deuten auf 
Gemächer und Gänge, die einen Hofraum umgaben. Vor Allem merk- 
würdig aber sind die in der Nähe befindlichen Felsreliefs, Welche die 
Wände eines von Felsen umschlossenen Raumes, Yasili-Kaia genannt, er- 
füllen. Es scheint, dem Hauptinhalte nach, die mit mancherlei mythisch- 
symbolischer Zuthat versehene bildliche Urkunde eines Völkerbündnisses 
zu sein. Zwei Züge, von der Rechten und von der Linken, begegnen 
einander, mit den Führern an der Spitze. Die zur Linken, zumeist kurz- 
gewandet, haben in Kostüm und künstlerischem Styl einen gewissen ägyp- 
tisirenden dlypus, doch in freierer, derberer, naiverer Behandlung; sie er- 
innern mehrfach an das eben besprochene Relief von Nymphio; die zur 
Rechten, langgewandet, tragen in Erscheinung und Behandlung ein mittel- 
asiatisches Gepräge. Es ist nicht unmöglich, dass diese Arbeiten in eine 
frühe Zeit asiatischer Cultur" zurückgehen; das erwähnte ägyptisirende 
Element dürfte dabei, seinem Ursprünge nach, wiederum auf die Epoche 
Ramses IL, d. h. etwa auf die ägyptischen Colonieen, welche Ramses an 
der Küste des schwarzen Meeres gegründet hatte? und in denen sich die 
Grundzüge der nationalen Richtung immerhin auf längere Zeit erhalten 
haben konnten, zurückdeuten. Die späteste Epoche, Welcher die Sculp- 
turen angehören möchten, würde die der Mederherrschaft sein.  Bei 
dem Dorfe Euyuk findet sich ebenfalls kyklopisehes Mauerwerk. Merk- 
würdig und eigenthümlich sind hier die aus kolossalen Blöcken errichteten 
Pfeiler eines Portalbaues, mit vertretenden Thiorbildern nach ilinivitischer 
Art. Diese Thiere haben, an die späteren kleinasiatischen Harpyelibil- 
düngen erinnernd, den Körper eines Vogels mit menschlichem Haupt und 
Löwenfüssen. Der menschliche Kopf ist hiebei in charakteristisch ägyp- 
tischer Weise behandelt.  
Anderweit bemerkenswerth sind die Reste einer grossen baulichen 
Anlage zu Tarsos in Cilicien : ein Hof mit kolossalen viereckigen Oement- 
massen, von mächtigen Mauern umgeben,  vermuthlich Feueraltäre, die 
entweder der Epoche der assyrischen oder der der persischen Herrschaft 
angehören. 
pl. 72 ff. Hamilton, Researches in Asia Minor, 
2 Herodot, Il, 103-105. 
1 Texier, a. a. O. I. p. 209 B1; 
Pontus and Armenia, I, p. 382. 
        

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