Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687004
IGIISBI. 
stimmten Lokalitäten zeigen den König nebst den Personen seines Gefolges 
in der Ausübung feierlicher Acte. Die Räume der Wohninig geben Scenen 
seines, durch heilige Vorschrift geregelten Privatlebens. Symbolische 
Bilder stellen ihn im Kampfe mit ungeheuerlichentThiergestalten dar, den 
Dämonen der unreinen Welt, deren Besieger er ist. Andre symbolische 
Thiergestalten reihen sich an raumlich bedeutenden Stellen ein. An un- 
tergeordneten Stellen sind die Wachen des konigliclien Hofhaltes vorge- 
führt, A11 der Doppeltreppe, die zu Jener. majestatischen Saiilenhalle 
empor-führt, sind eben solche Wachen und 1n- langen Reihen die Abge- 
sandten der Völker, welche den Jahrestribut bringen, dargestellt. Auf 
dem Gerüst, welches über den Relief-Portiken der Grabfacaden ausge- 
meisselt ist und dessen Theile durch Schaaren Volkesgestutzt werden, 
erscheint der König in der höchsten Erfüllung seiner irdischen Mission, 
als Anbeter des heiligen Feuers. 
Es ist in solcher Richtung ein entschieden idealesElement, und es 
bethätigt sich das letztere, was die Auffassung im Allgemeinen anbetrifft, 
auch in einer eigenthümlichen Wärme des Gefühles. Die persische Kunst 
hat nicht bloss den feierlichen Schritt der Hofetikette beobachtet; sie ist 
selbst von Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Königthums durchdrungen und 
hat sich demgemäss zu einer eigenthümlich stylvollen Behandlung durch- 
gebildet, welche die allgemeinen Typen einer maassvollen Ruhe, einer 
feierlichen Würde glücklich wiedergiebt. Aber sie beugt sich damit gleich- 
zeitig einem Gesetze, welches die volle Entwickelung des Lebens hemmt; 
sie stellt z. B. den König, der jene dämonischen Thiere bekämpft, in 
ebenso ceremoniöser Ruhe dar, wie in andern Scenen seiner Repräsentation, 
lässt mithin das individuelle Leben gelegentlich wiederum in eine äusser- 
liche Verstandessymbolik aufgehen. 
Die Typen der Darstellung schliessen sich zunächst den assyrischen 
an; sie sind jedoch im Allgemeinen nicht bloss edler, sie sind auch, für 
die Entwickelung der Gestalt, freier gefasst. Bei den ganz von der Seite 
gesehenen Gestalten ist eine klare Proiilstellung (namentlich in der Schul- 
terpartie) durchgeführt;  bei den vorn gesehenen ist es allerdings auf- 
fallend, dass die Füsse im Profil geblieben sind. Bei den tributbringenden 
Völkern ist das verschiedenartig Nationale der Erscheinung mit Sinn beob- 
achtet. Weitgewandete Gestalten haben einen gesetzlich geordneten Fal- 
tenwurf, der sich rhythmisch den Gliedern und ihrer Bewegung fügt, 
hierin von dem assyrischen Typus in günstigster Weise abweichend. In 
der Ausführung aber zeigt sich eine erhebliche Abschwächung der von 
den Assyrern gewonnenen Grundlagen. Von der kräftigen Muskulatur 
der letzteren ist keine Spur mehr; auch die allgemeine Energie der assy- 
rischen Figuren hat einer gewissen Schwächlichkeit, selbst Dürftigkeit der 
körperlichen Erscheinung Platz gemacht. Dem entsprechend hat endlich 
9.11011  mit dem ganzen Grundtone der Darstellungen freilich nicht im 
allzu grossen Widerspruch  die äussere Technik eine gewisse lahme 
Glätte und Trockenheit erhalten. Zu bemerken ist, dass die Dimensionen 
der Darstellungen zum Theil nur klein sind. 
Was an körperlicher Energie bei den menschlichen Figuren fehlt, ist 
den thierischen Gebilden mehr oder weniger geblieben und im Einzelnen
        

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