Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686981
Perser. 
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Holzbaues (wie auf jene goldbekleirleten Säulen des grossmedischen Ek- 
batana) zurückzudeuten, Während das Gebälk, von dem kein Rest sich 
erhalten hat, in der That nur aus Holz bestanden haben kann. Die Säulen 
stehen, ebenfalls dem Bediirfniss des Ilolzbaues entsprechend, auf starken 
Plinthen, die sich bei einigen Gruppen ornamentistisch in einen umge- 
stürzten Blätterkelch umgewandelt haben. Bekrönt sind sie überall, auf 
sehr eigenthümliche Weise, durch zwei vorspringende Doppel-Halbthiereß 
auf (leren Rücken, wie sich aus den Grabfaearlen ergiebt, die Balken auf- 
lagen, welche das anderweitige Gebälk trugen. Einige Hauptgruppen 
der Säulen hatten unter den Thierbildern noch einen seltsamen, barock 
gehäuften Schmuck, aus aufsteigenden und umgestürzten Blätterkelchen 
bestehend und obcrwärts, in höchst missverstandener WVeise, mit einfachen 
oder gedoppelten senkrecht gestellten Voluten, ungefähr nach iOnischer 
Art, versehen. Griechische Behandlungsweise (die an den Bauresten Von 
Pasargadäi klar hervortrat) ist hierin aber so wenig zu erkennen, wie in 
den Kanellirungen der Säulenschäfte; die ionische Volute nöthigt am We- 
nigsten, auf etwaigen griechischen Einfluss zurückzugehen, da ihre Form, 
wie aus den ninivitischen Reliefs ersichtlich, ein altasiatisches Element ist. 
Die ganze phantastische Pracht dieser pcrsepolitanischen Säulen scheint 
vielmehr mit Bestimmtheit das Zusammenfassen eigenthümlich asiatischer 
Formen, aber freilich zum Theil schon ohne das Verständniss ihres ur- 
sprünglichen künstlerischen Zweckes, auszudrücken.  Das Gebälk über 
den Säulen der Grabfacaden lässt ebenso bestimmt wiederum Formen er- 
kennen, welche aus dem Vorbilde des Holzbaues und der hiebei sich 
ergebenden Dachrüstung entstanden waren. Es hat einen mehrtheiligen 
Arehitrav und über diesem die Andeutung vortretender Köpfe leichter 
Querbalken, der Form der sogenannten Zahnschnitte der griechischen Ar- 
chitektur einigermaasen entsprechend. , o 
Ihuren, Fenster und NVandnischen, denen auch die in der Mitte der 
Grabfagaden reliefartig angedeutete Thiir entspricht, haben eine einfach 
rechtwinklige Umfassung und sind mit einem grossen Hohlleisten eekrönt 
der die strenge Sculptur mehrerer Blätterreihen trägt. Die WVaädunven 
dieser Bauthcile sind durchweg mit lteliefbildcrn undzlnschriften verseliien 
Die Pfeiler der Hauptportalc haben ebenfalls bildnerischen Schmuck dem 
der ninivitischen Portale entsprechend. Auch die Wandungen der iFrei- 
treppen, welche zu den höheren Terrassen emporführen sind reichlich mit 
bildnerischon Reliefs bedeckt. l 
Noch ist, bei der Felswand Naksch-i-Bustam, ein kleines Feuer- 
tempelchen von einfachster Beschaffenheit, dem von Pasargadä ähnlich, 
zu erwähnen.  Ausserdem sind kaum irgendwelche Reste altpersischer 
Architektur bekannt. Einige Fragmente unfern von Schiras rühren aus 
Persepolis her. Eine Anlage im District von Firuz-Ab ad zeigt, ausser 
spateren Resten, den altherkömmlichen terrassirten Unterbau. 
m  
Dass 
dies 
üb erall 
der Fall , 
haben 
die neueren Untersuchungen 
ergeben:
        

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