Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686937
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Alterthum 
Das 
Asiens. 
des mittleren 
Durchbildung, Welche an ihnen _zur Erscheinung gelwmmßn War, bis jetzt 
nur erst in. sehr geringem lilaasse gewährt. Die Blüthenepoche des neu- 
babylonischen Reiches wird durch die Regierung Nebukadnezarls 
(604-561) bezeichnet; ihm gehört, inschriftlichen (in die Ziegel einge- 
drückten) Zeichen zufolge, alles Erhaltene auf den Stätten des ehemaligen. 
Babylon und auf andern Trümmerresten des Landes an. 
Architektur. 
Ueber die bauliche Gestaltung der Denkmäler wissen wir einstweilen 
nur das Allgemeinste; aber auch dies hat schon eine charakteristische 
Eigenthümlichkeit. Das Baumaterial für die Massen bestand, in Ermange- 
lung des Felsgesteines (das wenigstens nur ganz ausnahmsweise zur An- 
wendung gekommen zu sein scheint), aus Ziegeln, ungebrannten und ge- 
brannten. Für die architektonischen Einzeltheile,  von denen tzllerdings 
nur die Thore genannt werden,  wurde das Material des Erzes ver- 
wandt; es leuchtet ein, dass hiebei, die Einzeltheile als eigenthümlich 
selbständige behandelt wurden und dass sich an ihnen möglicherweise, 
der Technik der Erzarbeit gemäss (mochte sie gegossen oder getrieben 
sein), ein grösserer Formenreichthum entwickelte. Ueber einen Säulen- 
bau und dessen etwaige Behandlung wissen wir nichts. 
Die Stadt Babylon war, nach zuverlässigen Berichten, ähnlich ausge- 
dehnt und auf ähnliche Weise mit kolossalen Mauern und Thürmen um- 
geben wie Ninive. In der Umfassungsmauer befanden sich hundert aus 
Erz gebaute Thore. Der Kern der Stadt hatte eine engere Mauierum- 
fassung. Der Euphrat schied die Stadt in zwei Theile; zu seinen Boll- 
werken führten wiederum eherne Thore. 
Das alte, von Nebukadnezar erneute Heiligthum des Belus stand in 
einem weiten Hofraume, der sich ebenfalls durch eherne Thore öffnete. 
Das Heiligthum war, wie schon bemerkt, eine ungeheure Stufenpyramide, 
in acht Absätzen bis zu 600 F. Höhe emporsteigend. Unterwärts hatte 
dasselbe einen Tempel, dessen Ausstattung  Bild, Thron, Tisch und 
Altar des Gottes  aus Gold bestand. Zu dem Gipfel der Pyramide 
führte ein freier Aufgang, von Absatz zu Absatz sich emporwindend. 
Oben stand ein zweiter Tempel, ebenfalls mit goldenem Geräthe ausge- 
stattet. Die Reste dieses Dcnkmales sind in dem 200 F. hohen Trümmer- 
berge von Ziegeln erkannt worden, der auf der Westseite des Euphrat 
liegt und den Namen Birs-i-Nimrud führt. 
Auf der Westseite des Euphrat lag ferner ein grosses königliches 
Schloss, welches der ursprünglichen Anlage nach, ebenso wie das Belus-- 
Heiligthum, dem alten babylonischen Reiche angehörte. Es war mit drei 
übereinander emporragenden Ringmauern umgeben, auf denen bildliche 
Darstellungen, Jagden und Aehnliches, enthalten waren. Ein- andres, 
jüngeres Königsschloss, auf seinen Mauern in gleicher Weise ausgestattet, 
lag auf der Ostseite. Neben diesem erhob sich, über eigenthümlich an- 
geordneten Substructionen, ein Terrassenbau mit Gartenanlagen, welche die
        

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