Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686898
58 
III. 
Das 
Alterthum 
des mittleren 
Asiens. 
räthen erscheint die Form der Volutc, in lebendiger Ausbildung, häufig 
angewandt. Eine andre überall angewandte Dekorationsform ist die einer 
Fächerblume oder Palmette, in einer Behandlung, welche ebenfalls als 
Vorbild der griechischen Gestaltung dieses Dekorationsstückes gelten muss. 
Diese Formen haben särnmtlich etwas Bewegtes, schwellend Elastisches, 
im entschiedenen Gegensatz gegen die Strenge der ägyptischen Formen- 
bildung.  Anderweit ist zu bemerken, dass bei der häuüg vorkommen- 
den Darstellung von Städten und Burgen diese fast durchgängig mit Bo- 
genthoren versehen erscheinen, was auf eine Ziegelwölbung (dergleichen 
sich in einzelnen Resten wirklich erhalten haben) zu deuten sein wird. 
Bei der Einfachheit der architektonischen Anlage sind die Unter- 
schiede j'e nach der früheren oder späteren Epoche nur gering. Die Ge- 
bäude der letzteren haben insgemein minder schmale Räume als die der 
ersten. Das Ornament (z. B. die Palmettenform) ist in diesen herber ge- 
bildet, in jenen geschmackvoller und freier entwickelt. Ueberhaupt ge- 
hören die bis jetzt bekannten Zeugnisse architektonischer Einzelformen 
vorzugsweise den späteren Gebäuden an. 
Ausserhalb des Lokales von Ninive sind bis jetzt Wenig Monumente 
assyrischer Kunst entdeckt werden. Die wichtigsten sind die besonders 
alterthümlich erscheinenden Ruinen von Arban, am Khabur, westlich 
von Mosul, und die von Kalah Schergat, einige Meilen südlich von 
Nimrud, am Tigris; dann Felssculpturen bei Bawian und bei Malthai- 
jah, nordwärts von Mosul, im kurdischen Gebirge. 
ildn 
Die Bildnerei der Assyrer hat, wie die der Aegypter, einen völlig 
monumentalen Zweck. Neben einzelnen Gestalten von mythischer Bedeu- 
tung, neben einzelnen Erscheinungen einer rituellen Symbolik sind es 
Darstellungen geschichtlichen Inhaltes, zur Feier eines bestimmten Herr- 
scherlebens, aus denen diese Bildwerke bestehen: Scenen der königlichen 
Würde, des Lebensgenusses, z. B. der Freude der Jagd, der mannigfaltig- 
sten- Begebenheiten in Krieg und Schlacht. Alles Einzelne des Lebens 
ist wiederum mit entschiedener Sorgfalt nachgebildet, so dass sich auch 
hier eine sehr rmifassende Veranschaulichung der bezüglichen Oultur- 
Sphäre darbietet. Insgemein ziehen sich zwei Reliefreihen von nicht er- 
heblicher Grösse, übereinander geordnet, über die Wände hin. Reichliche 
Inschriften geben näheren Aufschluss über die in den Bildern vergegenwär- 
tigten Begebenheiten; sie sind in der keilförmigen Schrift, welche bei den 
mittelasiatischen Völkern im Gebrauch war und welche die Wissenschaft 
unsrer Tage wieder zu entziffern begonnen hat, gebildet. Bildwerke, die 
nicht an der architektonischen Masse haften, kommen höchst selten vor. 
Die bedeutendsten Stücke der Art, eine stehende Statue, aus den Bau- 
lichkeiten der Nordwestecke von Nimrud, und eine sehr verstümmelte 
sitzende Statue, zu Kalah Schergat gefunden, gehören der älteren Epoche 
der assyrischen Kunst an. 
Der assyrischen Bildnerei fehlt das architektonisch Feierliche der
        

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