Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686741
neunzehnte Dynastie u. 
Die achtzehnte und 
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in denen der übrigen Gräber (wie in der Kunst des alten Reiches) die 
Dokumente des irdischen Besitzes und des Genusses des letztern dargestellt. 
In der Bildung der menschlichen Gestalten, welche den in der späteren 
Epoche des alten Reiches festgestellten Typus aufnimmt, zeigt sich eine 
naive Anschauung, die das Charakteristische nicht ausser Acht lässt, Leben 
und Charakter aber nur erst in gewissen, allgemeineren Grundzügen zum 
Ausdrucke bringt. Bei den Kolossalstatuen macht sich dies letztere in 
der Strengen und starren, gewissermaassen architektonischen Gesammthal- 
tung, ihrer architektonischen Verwendung entsprechend, besonders geltend. 
Bei den Reliefbildern und den gemalten Umrissdarstcllungcn ist jene con- 
ventionelle Darstellung beibehalten, welche, um möglichst deutlich zu sein, 
Gesicht und Beine im Profil und die Brust von vorn nimmt. Eigenthiimlich 
und ziemlich durchgehend ist hier ein schlankes, leichtes, straffes Körper- 
verhältniss, der Art jedoch, dass alle derbere Musculatur, besonders in 
den Beinen, vermieden wird. Die Bewegung der einzelnen Gestalt ist 
oft, in der Ruhe wie im Affekt, trotz jener stereotypen Wendung, von sehr 
glücklicher Gesainmtwirkung. Thierbildungen, namentlich die der Pferde, 
sind insgemein vorzüglich gelungen. Die bildlichen Compositionen erstrecken 
sichlhäulig über grosse Flächen und sind, je nach der darzustellenden 
Begebenheit, unterÄImständen sehr ügurenreich. Zu einer Gesamintan- 
Ordnung solcher Compositionen und einer entsprechenden Wirkung reicht 
das künstlerische Vermögen nicht aus; die bildliche Erzählung verliert 
sich in der Regel entweder in wirr gehäufte Einzelnheiten oder die Ge- 
stalten bewegen sich schematisch, hintereinander, in parallelen Linien. 
Die Hauptiiguren, auf denen der eigentliche Gedanke der Darstellung ruht, 
namentlich die des Königes, dessen Thaten verherrlicht werden, sind dabei 
in ungleich grösserem Maasstabe als die übrigen gezeichnet. Bei kriegeri- 
schen und ähnlichen. Darstellungen pliegt die Gruppe des auf dem Streit- 
wagen stehenden Königes, was ihre Grundmotive betriiit, mit wahrhaft 
bewunderungsvsrürdigem Schönheitssinne entworfen zu sein. 
Die Götter sind in menschlicher Gestalt, aber zumeist mit Thier- 
köpfen statt des menschlichen Hauptes dargestellt. Dies beruht auf dem, 
bei den alten Aegyptcrn stets volksthümlich gebliebenen Thierdienst und 
der Symbolisirung der göttlichen Eigenschaften durch die eine oder andre 
Thiergattung. Aber der Künstler, welcher das natürlich Fremdartige zu 
einer Gestalt zusammenfügt, verfährt hierin wiederum nur trocken ver- 
standesmässig, nur nach dem Gesetz einer äusserlichen Symbolik. Er weiss 
die Verbindung des Thierkopfes mit dem Menschenleibe rhythmisch zwar 
ganz wohl zu vermitteln (selbst bei Aufsetzung des schlanken Vogelhal- 
ses); aber eine organische Ineinanderbildung dieses Verchiedenartigen, die 
der anschauenden Phantasie glaublich erscheinen könnte, liegt seiner Ab- 
sicht durchaus fern. Derselbe Fall tritt ein, wenn noch anderweitig Glie- 
der verschiedener Gestalten miteinander verknüpft werden. Eine eigen- 
thümliche Gestalt von menschlicher Bildung ist diejenige, welche an den 
Decken, wo Sternbilder in besonderer Constellation dargestellt sind, den 
Himmel personilicirt; rechtwinklig gebrochen, theilweise auf das Allerun- 
gebührlichste ausgedehnt, zeigt sie die Fähigkeit, für blosse Verstandes- 
zwecke auch die künstlerisch widersinnigste Erscheinung sowohl darzu-
        

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