Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686703
Die achtzehnte und neunzehnte Dynastie 
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Bei besondrer 
Lokales veranlasst, 
behandelt. 
Gelegenheit, namentlich durch die Beschaffenheit des 
würde auch der Tempelbau theilweise als Grottenbau 
Architektonische 
Denkmäler. 
Theben, in Oberägypten, ist für die in Rede stehende Periode die 
königliche Residenz. Dort entstand nach und nach eine Fülle der glän- 
zendsten Denkmäler, deren Reste nach den heutigen Ortschaften, die in. 
sie hineingebaut sind oder in ihrer Nähe liegen, benannt werden. Das 
schon von Sesurtesen I. gegründete Hauptheiligthum von Theben, auf der 
Ostseite des Nils bei dem heutigen Karnak, erhielt bereits bald nach 
der Gründung der 18ten Dynastie, von dem ersten der Könige, welche 
den Namen Tuthm es (Tuthmosis) führen, eine neue, reiche und mannig- 
fach gegliederte Ausstattung. Nebentempel schlossen sich schon in dieser 
Epoche dem Haupttempel an. In den Säulen Wechseln hier die beiden 
bezeichneten Formen; die des vielseitigen (nach griechisch-dorischer Art 
kanellirten) Pfeilers erreicht, wie namentlich die geringen Reste eines der 
südlichen Nebenteinpel bezeugen, eine weitere Ausbildung, mit einer eigen- 
thiimlichen Art von Kapital, Wodurch sie das völlig charakteristische Vor- 
bild der griechisch-dorischen Säule wird.  Andre bemerkenswerthe 
Anlagen dieser Epoche, ebenfalls mit der Verwendung von Polygonalsäulen, 
sind: der zum Theil in den Felsen gearbeitete Tempel in dem Thale E1 
Asasif, in der Nordwestecke von Theben, und südlich von diesem das 
kleine alte Heiligthum (zur Seite späterer Anlagen) bei Medinet Hab u. 
 Ausserhalb Thebens sind für dieselbe Frühepoche besonders die Reste 
einiger nubischen Tempelanlagen mit Polygonalsäulen (zumeist kanellirten) 
hervorzuheben: bei Amada in Unter-Nubien, bei Wadi Haifa an der 
zweiten Katarakte, und weiter südwärts bei Semneh und bei Kummeh. 
Gegen das Ende der 18ten Dynastie, in der zweiten Hälfte des fünf- 
zehnten Jahrhunderts, begann Amenhotep (Amenophis) III. in Theben 
ein andres glänzendes Baudenkmal, das bei dem heutigen Luxor belegene. 
Die Säulen der vorderen grossen Räume dieses Heiligthums (abgesehen 
von dem, was später hinzugefügt wurde) haben die symbolische Form des 
Lotosbündels, in einer eigenthihnlich consequenten Durchbildung; es sind 
zwölf Lotosstengel, die sich, mehrfach umgürtet, zu der Gesammtform der 
Säule zusammenfügen. Ihr Verhältniss ist schwer, ihre Gliederung schon 
dekorativ, die Wirkung aber (wie wenig auch das geschlossene Blüthen- 
kapitäl zum Ausdruck der an solcher Stelle erforderlichen architektonischen 
Kraft, selbst nur in bildnerischer Darstellung, geeignet erscheint) doch 
eine entschieden energische.  Zur schönsten Ausbildung, deren diese 
Lotossäule fähig war, gelangt sie bei dem, von demselben Könige erbauten 
Tempel von Soleb, im oberen Nubien. Hier erscheint die glüßklißhßtß 
dekorative Organisation der Säule und ein Verhältniss von Höhe und 
Dicke, welches, ohne der nothwendigen Strenge und Straifheit etwas zu 
vergeben, doch leichter und ansprechender wird, als es sonst 111 der ägyp- 
tischen Kunst zu finden ist. Sehr merkwürdig sind, ill einem besondern 
Theile dieses Tempels, auch einige Säulen, die ein Kapitäl tragen, welches
        

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