Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692100
Vierte Periode. 
579 
In Neapel gehört ein Mosaik in S. Restituta, Madonna mit Heiligen, 
derselben Nachfolge des Cimabue an.  Als Zeitgenoss des letzteren wird, 
ebendaselbst, der Maler Tommaso degli Stefani bezeichnet. Die von 
ihm ausgeführten Wandbilder im dortigen Dome (Oap. Minutoli) sind 
gänzlich übermalt. 
Im Uebrigen bleibt im südlichen Italien byzantinische Maltechnik noch 
Jahrhunderte hindurch in Ucbung. In Otranto erscheint ein eigenthüm- 
licher Schulbetrieb der Art, besonders von der Familie der Bizamani 
geübt. Ihre Tafeln, zumeist klein und sauber behandelt, mischen den 
byzantinischen Typen im Laufe der Zeit Manches von den Elementen der 
fortschreitenden Kunstein und zeichnen sich häufig durch zierlich phan- 
tastische landschaftliche Gründe aus.  Ein umfangreiches Werk byzan- 
tinischen Einüusses sind die Wandgemälde in der Kirche von St. An- 
gelo in Formis, Geschichten des alten und neuen Testamentes, Heili- 
genlegenden und eine Darstellung des Weltgerichts enthaltend. ' In der 
Kirche zu Montevergine wird eine grosse Altartafel der Madonna ge- 
rühmt, die 1310 in einem an Cinlabile anklingenden Style von Monta- 
nus aus Arezzo gemalt wurde. 2 
Die italienische Miniaturmalerei der romanischen Spätepoche, an 
sich ohne namhafte Bedeutung, giebt für die stylistischen Verhältnisse der 
Zeit ebenfalls einzelne Belege. 
Dekorative Kunst. 
Die dekorative Metallarbeit, die in Form und Darstellung das den 
verschiedenen Künsten Eigenthümliehe für ihre Zwecke vereinigt, erscheint 
auch in dieser Epoche wie in der des 12. Jahrhunderts, in lebhafter Thä- 
tigkeit. Doch bleibt sie im Wesentlichen, wie es scheint, auf die Lande 
diesseits der Alpen beschränkt, und die bedeutenderen der erhaltenen 
Werke gehören zunächst wiederum noch den niederrheinischen 
Landen an.3 Die Behandlung ist von der früher-n wenig verschieden; 
nur werden die Maasse gern ansehnlich vergrössert, die Dekorationen 
reichlicher angewandt. Die Reliquienschreine namentlich erhalten in ein- 
zelnen Fällen sehr ansehnliche Dimension und zierlichst durehgebildete 
architektonische Ausstattung; in den bildnerischen Theilen, den plastischen, 
gravirten, mitEmailiarbe ausgestatteten, erscheint dagegen kaum ein Fort- 
schritt; ein feststehender handwerksmässiger Typus herrscht hierin in 
vorwiegendem Maasse vor, nur in seltnen Ausnahmfällen von Bildungen 
durchbrochen, welche den lebendigeren Richtungen der Kunst der roma- 
nischen Spätepoche entsprechen. Ein Hauptwerk ist der mächtige Re- 
liquienschrein der hl. drei Könige im Dome von Köln, "3 Fuss breit, 
41,12 Fass hoch, 5112 Fuss lang, mit einer Fülle von Darstellungen, theils 
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KunsL 
1 Vergl. Schulz, Denkmäler Unteritaliens, Taf. 70. 71.  2 Ebända, II, 338, 
 3 F. Kugler, K1. Schriften, I1, _S. 328.  Zahlreiche Abbildungen in E. aus'm 
Weerth, Kunstdenkmäler des ehrlsthchen Mlttelalters in den Rheinlanden.
        

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