Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692092
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Styles. 
Kunst des romanischen 
Die 
und Empfindung zu neuem Leben umgeschaßen. Höchste majestätische 
Würde und erschütterndste Leidenschaft, Reichthum des Gedankens, An- 
mnth der Form, "naives Spiel des Lebens kommen in diesen kleinen Dar- 
stellungen auf gleiche Weise zur Erscheinung. Die ehemalige Vorderseite 
enthält grössere Gestalten, eine Madonna mit Heiligen. Hier ist, zumal 
in den Köpfen, eine nicht minder gediegene Durchbildung, dabei aber in 
der Gewandung ein anmuthsvoll weicher Fluss, der, in dieser einen Be- 
ziehung, bereits eine Abweichung von dem ursprünglich byzantinischen 
Stylprincip und den Uebergang in das der gothischen Epoche ausspricht. 
 Eine Anzahl kleiner Tafeln in der Sakristei des Domes scheint von 
den früheren Staffeln und Giebeln des Altarwerkes herzurühren. Andre 
in der Akademie zu Siena geben weitere Belege, zum Theil vielleicht 
für die eigne Wirksamkeit Duceids, jedenfalls für die von Nachfolgern 
seiner Richtung. 
Die künstlerische Thätigkeit des mittleren und des unteren Italiens 
ist im Ganzen von geringerem Belang, lasst aber in einzelnen hervor- 
ragenden Leistungen dieselben EntwiokelungsVerhältnisse erkennen. 
Zu Anfang des 13. Jahrhunderts erscheint auch hier (nach den freieren 
Bestrebungen, die aus einigen römischen Mosaiken des zwölften ersicht- 
lich werden), ein vorwiegender Byzantinismus. S0 in einem Mosaik an der 
Fagade des Domes von Spoleto, 1207 von Solsernus gefertigt, das 
durch ein Gepräge einfacher Würde anspricht. S0, in sehr strenger Be- 
handlung, in dem kolossalen (stark restaurirten) Mosaik der Chornische 
von S. Paolo fuori le mura bei Rom und in den (vielfach übermalten) 
Wandbildern der Vorhalle von S. Lorenzo fuori le m., ebendaselbst, die 
indess das Verdienst einer lebendigen bildlichen Erzählung haben.  So 
auch in römischen Arbeiten der Zeit um die Mitte desllahrhunderts, die 
zugleich aber einen Rückfall in handwerkliche Rohheit bezeugen: den 
Malereien der Kapelle S. Silvestro bei SS. Quattro coronati und den Mo- 
saiken zweier kleiner Nischen in S. Costanza. 
In der Spätzeit des 13. Jahrhunderts erscheinen in Rom grossartige 
Werke der Mosaikmalerei, die eine Nachfolge der durch Oimabue ange- 
bahnten Richtung bezeichnen. Namentlich die von Jacobus Torriti ge- 
fertigten Mosaiken der Ohornischen von S. Giovanni in Laterano und von 
S. Maria Maggiore; jenes einfacher und von minder durehgebildeter Be- 
handlung; dies von bedeutsamer, mehrgegliederter Composition, edel, 
würdig, empfunden, eins der Meisterwerke der Zeit, zumal in dem Haupt- 
stücke der Darstellung der Krönung der Maria. ' Jünger ist das Faga- 
denmosaik von S. Maria Maggiore mit der Darstellung legendarischer 
Scenen, gegen 1300 von Philippus Rusuti gefertigt, nicht ebenso geist- 
voll und, wie es scheint, bereits in einem Uebergange zu den Elementen 
des gothischen Styls. 2 Ebenso auch wohl die schlicht würdevollen M0- 
saiken an zwei, in ihrer Architekturform bereits entschieden gothischen 
Grabmonumenten in S. Maria Maggiore und S. Maria sopra Minerva. 
 
der Kunst, T. 
Denkmäler 
2 Ebenda: 
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