Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686692
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Aegy-pten. 
alte 
Das 
Hallen, die Höfe, die Pylonen sich nicht selten vielfach wiederholen und 
wiederum andre Anlagen an die Hauptanlage anschiessen. 
Für die Formenbehandlung im Einzelnen ist zunächst die Einfassung 
der äusseren Kanten hervorzuheben. Diese besteht überall aus einem Rund- 
stabe, welcher bei der Oberkante mit einem grossen Hohlleisten gekrönt 
wird. Die Motive hiezu finden sich schon in der Ausstattung der mem- 
phitischen Felsgräber aus der ersten Blüthezeit des alten Reiches; der 
Hohlleisten, schon dort mit einer Art senkrechter Einkehlungen geschmückt, 
die, wie alles Uebrige, farbig verziert sind, scheint das Nachbild einer 
Bekrönung mit reihenweise geordneten Federn oder Blättern zu sein. In 
der Form der Säule wechseln in der Epoche der 18ten Dynastie die beiden 
Formen der Gräber von Benihassan, beide in vorschreitender Ausbildung, 
die ästhetisch constructive, welche aus der Grundform des vielseitigen 
Pfeilers entsteht, und die symbolische des Lotosbündels. Zu Anfang scheint 
jene Form vorherrschend gewesen zu sein und es scheint sich schon in 
diesem Elemente die freiere ästhetische Regung anzukündigen; dann aber 
gewinnt die symbolische, nachmals zum rein conventionellen Typus herab- 
sinkende Form die ausschliessliche Herrschaft.  Die Wandiiäche erscheint 
überall zur Aufnahme der monumentalen Bilderschrift bestimmt; diese 
Bebilderung wächst im Laufe der in Rede stehenden Periode, der Art, 
dass auch die für einen selbständigen architektonischen Ausdruck geform- 
ten Bauglieder, wie die Säulenschäfte, damit bedeckt werden. Fast durch- 
gehend bestehen diese Wandbilder aus eingesenkten Reliefs (Koilanaglyphen), 
flach erhabenen Darstellungen innerhalb vertiefter Hauptumrisse, zwischen 
denen im Uebrigen die Fläche der Wand beibehalten ist. Die Relief- 
bilder sind durchaus farbig bemalt, die Theile des architektonischen Details 
ebenso.  Zur weiteren monumentalen Ausstattung gehören ferner die 
schon erwähnten, an die Pfeiler der Höfe anlehnenden Kolossalstatuen, 
 andre, frei vor den Eingängen sitzende Kolossalbilder der Könige,  
Obelisken, in der oben bezeichneten Form, als Denkzeichen der in ihren 
Hieroglyphen-Inschriften näher angegebenen Weihungen der Gebäude. 
Ebenso zählen zur Gesammthcit dieser Denkmäler die heiligen Pracht- 
strassen, welche zu ihren Zugängen führen, auf beiden Seiten durch Reihen 
liegender Widder- oder Sphinx-Kolosse (wiederum symbolischen Inhal_tes) 
eingefasst. 
Die grossen architektonischen Monumente gelten zum Theil als zum 
Todtenkult der Herrscher dieser Periode bestimmt. Die Gräber selbst 
hatten eine abgeschiedene Lage und Einrichtung. Es sind in den Fels 
getriebene Stollen, Zllm Theil von erheblicher Ausdehnung und von ver- 
schiedenartiger Senkung, mehrfach mit grösseren Räumen wechselnd. Der 
Hauptraum diente zur Aufstellung des Sarkophags. Auch hier verviel- 
fältigte sich die Anlage je nach der auf die Ausführung zu verwendenden 
Zeit. Die architektonische Ausbildung ist höchst einfach; dagegen sind 
alle Wände auf das Reichste mit bildnerischer Darstellung,'-H mit Male- 
reien (aus einfach colorirter Umrisszeichnung bestehend) versehen. Auch 
die Sarkophage sind mit einer Fülle von Reliefsculptur geschmückt. Für 
festen Verschluss der Gräber wurde ebenso gesorgt, wie bei den von den 
Pyramiden bedeckten Gräbern.
        

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