Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692058
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des romanischen Styles. 
Die Kunst 
des gothischen Banstyles in den nordöstlich französischen Landen war der 
Förderung der Wandmalerei von vornherein Wenig günstig. 
Die französischen Miniaturen dieser Epoche haben das Verdienst tech- 
nischer Ausbildung, während der geistige Gehalt geringer ist.  
In England fehlt es an allen Zeugnissen für den Betrieb gross- 
räumiger Malerei; (was an derartigen Notizen vorliegt, gehört ohne Zweifel 
schon den Anfängen der Entwickelung des gothischen Styles an.) Von 
den englischen Miniaturen gilt im Wesentlichen dasselbe wie von den 
französischen.  
BII. 
Die italienische Malerei der Epoche des spätromanischen Styles um- 
fasst eine Stufenfolge sehr ausgezeichneter und beachtenswerther Ent- 
wickelungen. 1 Ihre Leistungen gehen über den Schluss des 13. Jahr- 
hunderts hinaus; sie gehören den verschiedenen Gattungen des Kunst- 
faches an. Die Individualisirung des künstlerischen Schaffens macht sich 
durch eine namhafte Zahl hervortretender Persönlichkeiten geltend. 
Von charakteristischer Bedeutung ist hier das Wechselverhältniss zu 
den Typen des byzantinischen Kunststyles, der an einigen Punkten des 
Landes, namentlich in der Mosaikansstattung kirchlicher Räume, leb- 
hafte Aufnahme "gefunden hatte. Er gab dem in weiterem Kreise auf- 
wachcnden künstlerischen Bedürfniss zunächst Vorbild und Lehre. Aber 
die Neuhelebung der traditionellen Form, welche überall das Wesen des 
romanischen Spätstyles ausmacht, führte auch hier zur Lösung des sche- 
matischen Gesetzes; in Einzelfällen trat diesem ein kraftvoller Lebens- 
drang entgegen, in naiver Unmittelbarkeit oder in klassischer Läuterung, 
wenn schon dem einseitig antikisirenden Drange in den Bildnerarbeiten 
des Nicola Pisano an Fülle und Entschiedenheit keineswegs gleich. Die 
Einigung der Gegensätze erscheint schliesslich als die Grundlage eines in 
sich befriedigten Schaffens.  
In Venedig wurde in der Mosaikausstattung der Markuskirche 
fortgefahren, zum Theil in einseitigerer Beobachtung der hier schon lange 
geübten byzantinischen Muster, zum Theil in einer, von individuell freiem 
Gefühle getragenen Erneuung. In letzter Beziehung sind namentlich die 
Mosaiken des Umganges der Kirche, vor den Eingangsthüren und auf der 
Nordseite, von ausgezeichneter Bedeutung, Geschichten des alten Testa- 
iments bis auf Moses in derber, frischer, belebter Auffassung darstellend. 
Sie gehören ohne Zweifel der früheren Zeit des 13. Jahrhunderts an; 
die Arbeiter späterer Stücke kehrten wiederum mehr zu der Starrheit der 
alten Vorbilder zurück.  Anderweit bedeutend ist das, ebenfalls dem 
13. Jahrhundert angehörige Mosaik in der Halbkuppel der Absis des 
Domes von Parenzo. 2 Es stellt die thronende Maria mit dem Kinde 
"und Engel und Heilige zu ihren Seiten dar, in altherkömmlicher Anord- 
nung, in Geberde und Gewandung mit dem Gepräge hoher Feier und zu- 
1 Umrisse bei d'Agincourt, Rosini, Ramboux u. A. m.  
in den Mittelalterl. Kunstdenkmalen des Oesterr. Kaiserstaates, 
2 v. Eitelberger, 
S. 105, f.
        

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