Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692042
Vierte Periode. 
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ständige und zum Theil fragmentirte) Folge grosser gewirkter Teppich- 
stücke, welche im Zitter der Schlosskirche zu Quedlinburg aufbewahrt 
werden. 1 Sie rühren, historischer Angabe zufolge, aus der Zeit um 1200 
her und enthalten Darstellungen zu der allegorischen Geschichte der 
„Vermäh1ung Mercufs mit der Philologiea von Marcianus Oapella, eines 
Buches, das nebst den andern Schriften dieses spätrömischen Grammati- 
kers im Mittelalter eifrig gelesen ward; naive ligürliche Illustrationen, 
Götter der alten Mythe und allegorische Personen, mit beigeschriebenen 
Namen und mit grossen Spruchbändern in den Händen, zumeist ohne 
sonderliche Action, in der Darstellung nicht ohne mancherlei klassische 
Reminiscenz. Die Zeichnung deutet auf zwei verschiedene Hände, welche 
die Gartens geliefert; zum Theil hat sie, zwar noch in den überlieferten 
Stylformen, eine würdevolle und grosse Fassung. Die Ausführung rührt 
von den Klosterfrauen von Quedlinburg her; die ganze Arbeit erscheint 
wiederum als ein schätzbarer und in seiner Art merkwürdiger Beleg für 
die Strebungen der sächsischen Kunst. 
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Einige Reste und Spuren romanischer Wandmalerei in Schonen, der 
Südprovinz von Schweden, deuten auf eine Uebertragung dieses Kunst- 
betriebes von Deutschland auf die nordischen Küstenlande. Bemerkens- 
werth sind die Malereien im Ohorraume der kleinen Kirche von Bj e- 
resjö, 2 unfern von Ystad: symbolische Figuren, der Stammbaum Christi, 
biblisch historische Scenen. Die Auffassung ist indess ohne Geist, die 
Behandlung barbaristisch roh. 
Frankreich 
unä 
England. 
Frankreich und England haben für die Malerei der romanischen 
Schlussepoche keine erhebliche Bedeutung.  
Der umfassenden Ausstattung der kirchlichen Gebäude im südlichen 
und westlichen Frankreich durch Sculptur scheint ein ähnliches Streben 
im Fache der Malerei nicht zur Seite gegangen zu sein; wenigstens fehlt 
es für diese Gegenden an bemerkenswerthen Zeugnissen. In der Krypta 
der Kathedrale von Chartres, in der Kirche zu Fretigny (unfern von dort), 
in der Dreifaltigkeitskapelle von St. Emilion zu Bordeaux, in einer Ka- 
pelle der Kathedrale von Autun, in der Kathedrale von Tournay werden 
Reste von Wandmalereien namhaft gemacht, 3 die im Wesentlichen dem 
13. Jahrhundert anzugehören scheinen; welchen Grad von Ausbildung sie 
bekunden, wie weit sie überhaupt noch das romanische Stylgesetz befol- 
gen, muss einstweilen dahingestellt bleiben. Die frühzeitige Entwickelung 
1 F. Kugler, K1. Schriften, I, S. 635. Steuerwaldt und Virgin, die mittel- 
alter]. Kunstsehätze im Zittergewölbe der Schlosskirche zu Quedlinburg, B1. 36-40. 
 2 Mandelgren, monuments scandinaviques du moy. äge, liv. 1.  3 Schnaase 
Gesch. d. bild. Künste, V, I, S. 693. '
        

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