Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692001
Vierte Periode. 
569 
sind die Malereien in der Taufkapelle von St. Gereon zu Köln,' 
einzelne Heilige, zumeist unter gemalten Architekturen spätromanischen 
Styles, darstellend. Hier entwickeln sich die Gestalten bereits zu kraft- 
voller Fülle und fast majestätischer Würde, sowohl in den Körperlinien 
als in der voll niederwallenden Gewandung, die sich in grossen Massen 
bricht. Eigenthümlich erhaben ist namentlich die Figur des Constantin, 
in grossartig phantastischer Oostiimirung.  Verwandten Styl, doch minder 
gross und in mehr manierirter Behandlung, zeigt ein Wandbild in St. 
Kunibert zu Köln, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. 2  
Andre Wandmalereien dieser Epoche in der Krypta der Kapitolskirehe 
zu Köln (diese noch nicht näher untersucht, da die Krypta zu profanen 
Zwecken hingegeben und wenig zugänglich ist), in der von St. Gereon, 
u. s. w; 
Eigenthümlich (die Fülltafeln ehemaliger Chorschranken  sind zehn 
Vgrosse Schiefertafeln mit den Bildern von Aposteln in St. Ursula zu 
Köln. Die vielfach erneute Malerei zeigt hier in ihrer ursprünglichen 
Beschaffenheit ein noch byzantinisirendes Gepräge. Die (gegenwärtig 
nicht sichtbare) Rückseite einer dieser Tafeln soll das Datum 1224 ent- 
halten.   
Andres Bedeutende in Westphalen. 3 Zu So est die Wandmalereien 
in der Chornische der N ikolaikapelle: 4 der heil. Nikolaus, von Engeln 
und Verehrenden umgeben, und die zwölf Apostel, mit allegorischen Halb- 
figuren über zehn von diesen; erhabene Gestalten voll Lebensgefühl und 
individuell durchgebildetem Charakter; die Gewandung nach antiken Mo- 
tiven kunstreich entwickelt, bewegt, zuweilen ilatternd; das Allgemeine 
des Styles dem der Malereien der Taufkapelle von St. Gereon zu Köln 
verwandt, doch mit noch feinerer Empfindung und nur in wenigen Ein- 
zelheiten noch befangen oder zur Manier geneigt; die allegorischen Ge- 
stalten, in weiblich jugendlichem Charakter, von hoher und freier Grazie. 
Die urkundliche ehrenvolle Erwähnung eines Soester Malers Everwin 
im J. 1231 ist nicht ganz ohne Grund auf den Meister dieser Wandbilder 
bezogen worden. (Die Malereien an der Wölbung der Ohornische, über 
jenen, bestehen aus moderner Erneuung.)  Sodann die bis jetzt nur 
fragmentarisch aufgedeckten und mehr beschädigten Wandmalereien in 
der Kirche zu Methler, 5 besonders ebenfalls im Chore, zumeist die Ge- 
stalten einzelner Heiligen darstellend, aus wiederum jüngerer Zeit, mit 
dem Streben nach erhöhter Charakteristik und machtvoller Grösse, doch 
von minder edler und feiner Durchbildung, zum Theil von roher Behand- 
lung.  Zahlreiche andre Reste, die für die Folge noch umfassenden 
Aufdeekungen entgegensehen lassen, im Dome zu Soest (in der nörd- 
lichen Seitenabsis und an den Pfeilern der Empore), in den Kirchen von 
Ohle, eWerdohl, Plettenberg, Hüsten, Heggen, Fröndenberg, 
1 Denkmäler der Kunst, T. 49 A (8, 9.)  2 Organ für christl. Kunst, II, 
Beilage zu Nro. 11.  3 W. Lübke, die mittelalterliche Kunst in Westphalen, 
S. 322, ff; T. 28, ff.  4 Zu den Abbildungen bei Lübke s. die im Organ für 
christl. Kunst, II, zu Nro. 9, 15, 17, 19. Denkmäler der Kunst, T. 49 A (10, 11.) 
 5 Ebenda, T. 49 A  
Kuglcr, Handbuch der Kunstgeschichte. I.  
        

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