Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691996
568 
des romanischen 
Die Kunst 
Styles. 
den Erlöser in der Glorie im strengen Style der Zeit um 1200 darstel- 
lenrl;  eine ähnlich behandelte Darstellung der hl. Dreifaltigkeit mit 
Heiligen, als oberer Aufsatz eines jüngeren Altarwerkes in der Wiesen- 
kirche zu Soest verwandt;  zwei Tafeln mit gleichfalls streng gemal- 
ten Heiligenfigiu-en in der Nikolaikapelle des Domes von Worms;  
ein Antependium in der Kirche von Lüne bei Lüneburg, mit Darstellun- 
gen im Einschluss spitzbogiger Arkaden,  und eine Tafel mit Passions- 
scenen in der Kirche von Heilsbronn, die letztere vielleicht schon im 
Uebergange zu gothischer Stylistik. '  
An deutschen Wandmalereien der in Rede stehenden Epoche ist 
eine erhebliche Folge vorhanden. Sie bilden die sehr überwiegende Zahl 
der Beispiele dieser Gattung der mittelalterlichen Kunst, welche neuer- 
lich von der Kalktiinche, die sie Jahrhunderte hindurch bedeckt hatte, 
befreit sind; andre harren noch ihrer Wiedererstehung. Ihre äussere Be- 
handlung ist noch immer durchaus schlicht: einfach starke Umrisszeich- 
nung, durch welche die Gestalten sich von den kräftig gefärbten, zumeist 
blauen Gründen lösen, einfache Colorirung, gar keine oder eine durchweg 
sehr massige Sehattenangabe. Aber wie sie hiedurch ein günstiges Wech- 
selverhältniss zu den "Wirkungen der Architektur und ihrer Flächen bei- 
behalten, (ein Verhältniss, das bei höherer malerischer Durchbildung un- 
endlich schwerer zu erreichen ist,) so entwickelt sich gleichzeitig eben in 
diesem vorwiegend linearen Element ein höchst bedeutungsvolles Streben 
nach lebenvöller Kraft, Klarheit, gereinigter Grösse. Das schlichte  Ver- 
fahren bringt es in weiterem Umkreise, als in der so ungleich schwieri- 
geren Sculptur, zu günstigen Erfolgen; namentlich hat das nördliche 
Deutschland im Westen wie im Osten die schätzbarsten Beispiele auf- 
zuweisen. Die Darstellung einzelner Gestalten, rhythmisch auf die ar- 
chitektonischen Flächen vertheilt, Wechselt mit iigurenreichen Compositio- 
nen, die naiv historische Darstellung mit solcher, die sich durch eine 
symbolisirend gedankenhafte Entwickelung bedingt. 
In der niederrheinischen Gegend schliessen sieh dem, unter den 
Werken der vorigen Epoche bereits besprochenen Cyklus von Schwarz- 
Rheindorf zunächst die Gewölbmalereien des Kapitelsaales von Brau- 
weiler an. Sie füllen die 24 Dreieckfclder des Gewölbes und fuhren 
ausser dem Bilde des Heilandes und einzelner Gestalten von Propheten 
oder Heiligen um ihn her, alttestamentliche und legendarisehe Seenen 
vor, welche nach Anleitung des Hebräerbriefes (11) die Bewährungen im 
Glauben vergegenwärtigen? NVas hievon erhalten, zeigt neben der all- 
gemeinen Strenge des Styles einen schon individuell belebten Sinn, einen 
charakteristisch energischen Vortrag und im Einzelnen eine maassvolle 
Haltung, welche sich den Motiven antiker Darstellung mit Glück zuneigt. 
 Jünger, einer vorgesehrittenen Zeit des 13. Jahrhunderts angehörig, 
1 Vergl. 
S. 310.  
die Notiz von Waagen, Kunstwerke und Künstler 
2 Reichensperger, Vermischte Schriften, S. 78, ff. 
in Deutschland,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.