Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691901
Vierte Periode. 
559 
Itali 
Die italienische Sculptur zeigt zunächst, in Vergleich zu den früheren 
Versuchen (oben, S. 479) nur sehr massige, nur in Einzelheiten bemer- 
kenswerthe Fortschritte. 
Die Fagade von S. Maria zu Toscanella (S. 542) hat neben ihren 
zierlich reichen Dekorationen noch Bildnerarbeit von völlig barbaristischer 
Beschaffenheit.  Benedetto Antelami von Parma, dessen ältere 
Leistungen bereits (S. 480) erwähnt sind, erscheint in den jüngeren Seulp- 
turen des von ihm seit 1196 erbauten Baptisteriums (S. 543), namentlich 
den Reliefs über den Portalen, in nicht erheblich vorgeschrittener Ent- 
wickelung, während andre Bildwerke desselben Gebäudes, namentlich die 
Reliefs mit der Darstellung der Monatsbeschäftigungen in einer Gallerie 
des Innern allerdings einen friseheren Sinn und ein kräftigeres Vermögen 
erkennen lassen. Diese rühren voraussetzlich von andrer Hand her. Ihm 
selbst glaubt man anderweit noch eine Anzahl der Sculpturen an der 
Kirche von Borgo S. Donino zuschreiben zu dürfen. 1  Die Mehrzahl- 
der Sculpturen in der Vorhalle des Domes von Lucca, die der Kanzel 
von S. Bartolommeo zu Pistoja, 1250 von Guido da Como gearbeitet, 
die des Altares im Baptisterium von Asti zeigen in der Hauptsache eben- 
falls nur ein traditionelles Beharren an alterthümlich leblosen Motiven. 
 So auch die Sculpturen am Portal des Domes von Genua und an 
der Arca des Altares des Täufers Johannes im Inneren des Domes, doch 
mit Ausnahme der an den Portalpfosten enthaltenen Reliefs, die sich 
durch lebendigen Schwung und feine Behandlung von den übrigen wie- 
derum in günstiger Weise unterscheiden.  
Ein Erzportal zu Rom, an einer Seitenkapelle des alten Baptiste- 
riums im Lateran befindlich, ist nach Angabe der Inschrift im J. 1203 
von zwei lombardischen Meistern, Hubertus und Petrus aus Piacenza, 
gefertigt worden; der eine Flügel desselben hat die Reliefdarstellung 
einer vollgewandeten weiblichen Gestalt in würdig belebter Fassung. 2  
Eine sitzende Statue Kaiser Friedrich's II. am römischen Thore zu Ca- 
pua,8 vom J. 1236, hat in Haltung und Anordnung das herkömmlich 
Typische, dabei aber in den Einzeltheilen eine freie und edle Durehbil- 
dung, die schon eine sinnvolle Beobachtung antiker Muster verräth. (Der 
Kopf der Statue ist in neuerer Zeit abgeschlagen.) 
Zu den seltensten Werken mittelalterlicher Kunst gehören die Reliefs 
an den Thürflügeln des Doms von Spalato in Dalmatien, eine Holz- 
schnitzarbeit, welche 1214 von Meister Andreas Guvina ausgeführt 
worden ist. Jeder Flügel enthält auf vierzehn Feldern Darstellungen des 
Lebens und Leidens Christi, die bei aller typischen Strenge des Styles 
eine überraschende Lebendigkeit, eine dramatische Entwickelung der be- 
wegteren Vorgänge verrathen; das Ganze ausserdem ein Muster klarer 
Anordnung und reicher, eleganter Ornamentik. 4 
 
1 Kunstblatt, 1846, S. 250.  2 D'Aginc0urt, Sculphlr, T. 21   
da, T. 27  Vergl. v. d. Hagen, Briefe in die Heimßth, U11 5- 65- 
v. Eitelberger im Jahrbuch der Wiener Central-Commission. Bd. V. Taf. 
3 Eben- 
 4 R. 
16.
        

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