Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686679
Die 
achtzehnte 
und 
neunzehnte Dynastie, 
zwanzigsten. 
nebst 
dem 
Beginn 
der 
Gesammtchar akter. 
Mit der Gründung des neuen ägyptischen Reiches, nach Vertreibung 
der Hyksos, beginnt die neue Entwickelung der ägyptischen Kunst, deren 
Gesammtcharakter uns durch die grössere Fülle der Denkmäler anschau- 
licher als der jener älteren Epochen entgegentritt. Wir fassen die Epochen 
der 18ten und der 19ten Dynastie, nebst dem Beginn der 20sten,  die 
Zeit vom sechzehnten bis zum Schlüsse des dreizehnten Jahrhunderts 
v. Chr.  zusammen, da in ihnen ein gemeinsamer, fortschreitender Gang 
sichtbar wird und die grössere Vollständigkeit der späteren Denkmäler 
dieser Gesammtperiode uns zu begründeten Rückschlüssen auch auf die 
Principien; welche bei den früheren, wiederum nur mehr vereinzelt oder 
fragmentarisch erhaltenen Denkmälern derselben Periode maassgebend 
waren, Veranlassung giebt. Wir haben hier ein grosses Ganzes an künst- 
lerischer Auffassung und-Behandlung, an fester Ausprägung künstlerischer 
Typen vor uns; der monumentale Sinn des Volkes entfaltet sich an Wer- 
ken von reichster Gliederung; das Verständige in der Auffassung führt 
überall zu einem bestimmten Formengesetz; aber ebendasselbe Verständige 
hat zugleich eine Aufnahme conventioneller Typen für die Bezeichnung 
geistigen Lebens zur Folge,  eine Symbolik, welche die Hauche tieferer 
künstlerischer Regung dennoch schon im Beginnen erstickt und die ägyp- 
tische Kunst auf alle Folgezeit hin im Stande der Unfreiheit erhält.  
I1n Uebrigen sind allerdings charakteristische Unterschiede der künstleri- 
schen Entwickelung je nach den Epochen der genannten Dynastieen wahr- 
zunehmen. Die Epoche der 18ten Dynastie ist die des lebhaften Ringens 
lmd Strebens; das Formengesetz erscheint noch nicht als ein ausschliess- 
lieh bestimmtes und daskünstlerische Gefühl noch als ein verhältnissmässig 
freieres; wesshalb denn einzelne Werke dieser Epoche in der That das 
Gediegenste an künstlerischer Schönheit und Belebung nach Maassgabe 
des ägyptischen Gesammtcharakters enthalten. Die 19te Dynastie bezeich- 
Bei; die volle Anwendung des Erworbenen zur erdenkbar reichsten Aus- 
stattung des Lebens. Die mannigfaltigsten Aufgaben gewähren scheinbar 
die höchste Begünstigung; aber jene Versuche einer edleren und freieren 
Gestaltung kehren nicht wieder und die Ueberfülle der Arbeit trägt we- 
sentlich dazu bei, ein handwerklich conventionelles Wesen zum Gesetz zu 
machen. Die Werke zu Anfang der 20sten Dynastie lassen die weitere Ver- 
folgung dieses Weges, häufig eine schon lässigere Behandlung erkennen. 
Das architektonische Werk, Tempel oder Palast, erscheint eines Theils 
als die monumentale Ausprägung des feierlichen und vielgegliederten Ri- 
tuals, mit welchem der Gottheit oder dem gottähnlichen Herrscher gehul- 
digt ward, andern Theils als die gegliederte Masse, die, je nach ihren 
Abtheilungen, die bildnerischen Urkunden der Götterverehrung, der Herr- 
scherthaten aufzunehmen bestimmt war. Die äussere Form des architek- 
tonischen Werkes beruht auf jener ursprünglichen pyramidalischen Gestalt, 
indem die Aussenwände, die des einzelnen Gebäudes und die der Mauern,
        

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