Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691833
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Die Kunst des romanischen Styles. 
geben. Manches Gewaltsame, Unnatürliche, Verschobene ist die Folge 
dieses Strebens; was Hüssig sein sollte, verfällt abermals in ein conven- 
tionelles Gebahren; aber der Ernst, der überall durchleuchtet, die sorg- 
fältige Durchführung der erfassten Intentionen, zuweilen selbst ein kraft- 
volles Pathos, welches einen starken geistigen Gehalt zur Erscheinung 
bringt, versöhnt mit diesen Mängeln. Die Darstellung der Verkündigung 
insbesondere hat einen eigen grossartigen Zug. Die Lünette des Nord- 
portales auf der Ostseite des Domes, die Sculpturen des" grossen Portales 
auf der Nordseite gehören derselben Richtung an; die letzteren jedoch, 
in der Portalliinette, schon mit Zügen, welche auf die beginnende go- 
thische Richtung deuten, (die sich dann an andern Sculpturwerken des 
Domes entschiedener kund giebt.) 
Süddeutsche Sculpturen der Zeit haben, bei verschiedenartiger Fas- 
sung, ein hervorstechend barbaristisches Element. Dahin gehört die 
reiche bildnerische Ausstattung der St. Gallenpforte am Münster zu Basel 
(oben, S. 511), besonders die grossen Heiligenfiguren an den Seitenge-- 
Wänden, 1 die, mit der Absicht auf schmuckreiche Erscheinung, über ein 
alterthümelndes, starr schematisches Linienspiel nicht hinauskommen.  
Dahin die Ausstattung des Kreuzganges beim Grossmünster zu Zürich, 2 
in welcher eine Fülle ausschweifend phantastischer, zumeist dekorativer 
Darstellungen und einzelne naive 
 Lebensscenen enthalten sind, 
 in ähnlicher Behandlung, aber 
 zugleich mit lebhaftem Sinn fur 
  Bewegung, wahrend Einzelnes 
 (z. _B. eine Nachbildung des 
   antiken Dornausziehers) unmit- 
      telbare Studien der klassischen 
i'll   "l Kunst verräth  Dahin die 
 i   "  Zürich Lünette des Portales der Kirche 
von Mosburg in Bayern 
Scnlptirter Kämpferdni Kreuzgange des Grossmüusters und die Sculpturen, welche dig 
zu Zürich" (Nach liegt) Ausstattung des Nordportales 
der Schottenkirche St. Jakob 
zu Regensburg (oben, S. 514) ausmachen, diese wiederum ein dekora- 
tives Werk von abenteuerlich phantastischer Anordnung, zum grossen 
Theil symbolisch räthselhaft, in der Behandlung des Einzelnen von pri- 
mitiv barocker Erscheinung.  Dahin gehören ebenso die Sculpturen am 
Ohor-Aeusseren der Kirche von Schön grab ern in Oesterreich, 3 barba- 
rische Missgeburten, in ihrer Erscheinung um so widerwärtiger, als sie, 
eine fortlaufende symbolische Bilderschrift und ohne eigentlichen Wechsel- 
bezug zur architektonischen Dekoration, auf entschieden selbständige Gel- 
1 v. Hefner, Trachten des christl. Mittelalters, I, T. 30.  2 Mittheilungen 
der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, I.  3 Heider, die romanische Kirche 
zu Schöngrabern.
        

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