Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691768
Vierte Periode. 
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demselben Künstlerkreise hervor. Die römischen Kirchen enthalten zahl- 
reiche Beispiele; die ausgezeiehnetsten in S. Clemente, S. Lorenzo fuori 
le mura, S. Maria in Cosmedin. Aehnlieher Arbeit sind die prächtigen 
Chorschranken des Doms zu Civitä, Oastellana, insehriftlich durch die 
römischen Meister Drusus und Lueas gefertigt; ferner im Dome zu 
Terracina ein grosser Marmorcandelaber vom Jahr 1245, sowie eine 
etwas rohere und wohl auch frühere Kanzel. 
Die Monumente des südlichen Italiens gestalten sich, aus dem dort 
üblichen Stylgemisch (vergl. oben, S. 470) im Einzelnen zu wundersam 
phantastischer Pracht. Die Kathedralen von Bitonto und von Bitetto, 
die Kirche von San Pellino, S. Clemente am Flusse Pescara, S. Gio- 
vanni in Venere bei Lanciano, sämmtlich in Apulien, sind vorzüglich 
bezeichnende Beispiele der Art.  Zwei Schlossbauten Kaiser Friedrichs 11., 
die Reste des Palastes zu Foggia (v. J. 1223) und der mächtige Bau 
von Gastel del Monte unfern von Andria zeigen eine lebendige und 
sinnreiche Aufnahme antiker Dekoration, die letztere bei schon frühgothi- 
scheu Dispositionen.  Zu Amalfi, an der Vorhalle der dortigen Ka- 
thedrale, und besonders zu Ravello, auch an der Kathedrale von Oa- 
serta vecchia und dem Glockenthlum der Kathedrale zu Gaäta finden 
sich Dekorationen sarazenischen Geschmackes in glänzend phantastischer 
Anordnung. 
Sodann ist Süditalien reich an dekorativen Prachtwerken, denen eine 
der Oosmatenarbeit verwandte Technik zu Grunde liegt, die indess durch 
Beimischung sarazenischer Ornamente, Arabesken u. dgl. eine phantastisch 
glanzvolle Wirkung erreichen. Zu den früheren und einfacheren Werken 
gehören die Kanzeln von S. Maria in lago zu Moscufo vom Jahr 1159, 
sowie die verwandten Werke in S. Pellino und S. Clemente am Pes- 
cara. Von höchster Pracht sind die beiden Kanzeln der Kathedrale von 
Salerno aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, ferner die Chor- 
schranken, der Kandelaber und vor allem die Kanzel im Dom zu Sessa, 
aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, als deren Verfertiger sich die Meister 
Peregrinus imd Thaddeus nennen; sodann die schöne Kanzel in der 
Kathedrale von Ravello, 1272 von Meister Nicolaus di Bartolom- 
meo von Foggia vollendet. 1 
Andre Schmuckarchitekturen der romanischen Schlussepoche in Si- 
cilien. Namentlich zwei sehr zierlich und reich ausgestattete Kreuz- 
gänge, mit spitzbogigen Säulen-Arkaden, bei der Kathedrale von Oefalü. 
und bei der Klosterkirche von Monreale, und mehrere reich antikisi- 
rende Grabtabernake] in der Kathedrale von Palermo, über den Sar- 
kophagen König Rogefs, seiner Tochter Oonstantia, Kaiser Heinriclfs VI. 
und Friedrichs II._ 
 
1 H. Schulz, Unteritalien giebt treffliche Abbildungen dieser Werke. 
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Handbuch  
der Kunstgeschichte. 
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