Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691757
544 
romanischen 
des 
Kunst 
Die 
Styles. 
romanische Disposition, die jedoch an der Facade schon in die Formen 
der Renaissance übergeht. Dagegen zeigen zwei bedeutende Kl0sterbau- 
ten in Pavia bei einer gothischen Behandlung der Faeaden, welche 
später zu erwähnen sind, im Innern völlig romanische Disposition und 
"Gewölbentwicklung. Noch streng tritt dieselbe, zum Theil sogar an den 
Fenstern im Rundbogen, an S. Francesco auf; frei entwickelt und in 
edler Gliederung dagegen an S. Pantaleone (auch S. Maria del Car- 
mine genannt), zugleich als Muster vollendet durchgeführten Backstein- 
baues bemerkenswerth. l  
Dann sind zwei Gewölbkirchen der ane-onitanischen Mark zu erwäh- 
nen: die Kathedrale von San-Leo, 1173 gegründet, welcher Zeit der 
noch rundbogige Chor anzugehören scheint, während der Schiffbau spitz- 
bogig ist, mit einer Tonnenwölbung über dem Mittelschiff,  und die 
Abteikirche S; Bernardo in dem zwischen Ancona und Sinigaglia belege- 
nen Chiaravalle, ein durchgebildet romanisch spitzbogiger Gewölbebau, 
1172 gegründet, im Aufbau ohne Zweifel später. 
Rom hat auch in dieser Epoche, wie schon früher bemerkt, noch 
schlichten Basilikenbau: die Vorderschiife von S. Lorenzo fuori le mura 
(Säulen mit geraden Gebälken) und SS. Vincenzio ed Anastasio, eine ein- 
fach rohe Pfeilerbasilika, aus dem Anfange des 13. Jahrhunderts lmd aus 
nächstfolgender Zeit. Derselben Zeit und Richtung gehören der Dom zu 
Civita Castellana, zwar im Hauptbau modernisirt, in der Krypta und 
der zierlichen Vorhalle dagegen noch rein erhalten. Aehnlich der in einen 
antiken Tempel hineingebaute Dom von Terracina, eine Säulenbasilika 
von römischer Behandlung, namentlich auch in der anmuthigen Säulen- 
vorhalle, obschon hier und am Oampanile sich der Spitzbogen bereits 
einmischt. 2  Gleichzeitig aber bildet sich dort eine.Dekorativ-Architek- 
tur aus, die mit Geschmack auf die Muster der Antike zurückgeht, die- 
selben mit freiem Sinne umgestaltet und in einzelnen Werken, zierlich 
spielend und klassisch gebunden, den höchsten dekorativen Reiz zu ent- 
falten weiss. Vornehmlich ist es die Kiinstlerfamilie der Cosmaten, die 
sich in derartigen Arbeiten bethätigt. Ihre eigentlich architektonischen 
Werke bestehen in Klosterhöfen und Kreuzgängen. Schlichtere Architek- 
turen der Art sind die Höfe bei S. Lorenzo fuori le m., S. Vincenzio ed 
An., S. Sabina zu Rom, der bei S. ltlaria. della Verita zu Viterbo und 
der beiS. Scholastica zu Subiaco vom J. 1235; sehr reiche und glänzende 
Klosterhöfe bei S. Paolo fuori le muraä und S. Giovanni in Laterano 
zu Rom, beide durch die Wechselverhältnisse von kräftiger Gesammt- 
haltung und spielend bewegten Einzeltheilen, von klassisch reinster und 
üppig phantastischer Form, von scharf plastischer Behandlung und rei- 
Cll8I,-IIIl1lSlVlSCl1 farbiger Incrustation von der reizvollsten Wirkung.  
Auch kleinere Werke von ähnlicher Behandlung, mit musivischem Schmucke 
ausgestattet, Ambonen, Chorschranken, Altäre, Tabernakel, gehen aus 
 
1 W. Lübke in den Miüheilungen der Gentxz-Commission zu Wien. 
gang 1860.  2 Ebendaselbst.  3 Denkmäler der Kunst, T. 4118). 
V 
Jahr-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.