Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691641
Vierte Periode. 
533 
im Uebergange von romanischer zur gothischen Behandlungsweise stehen: 
das spitzbogige Hauptportal der Kathedrale von Chartres und die rund- 
bogigen Seitenportale der Kathedrale von Bourges. 
Die 
britischen 
Landa 
Die englische Architektur der romanischen Schlussepoche hält im 
Allgemeinen an der überkommenen Richtung fest, aber sie giebt der na- 
tionalen Dekorationsweise die lebhafteste Entwickelung, die reichlichste 
Anwendung,  im Schmuck der Wandarkaden, in ihrer bunteren Gestalt 
mit sich (lurchschneidenden Bögen, in der höchst gesteigerten Anwendung 
des Zikzakornaments zur Umfassung der Bögen, u. s. w. Einzelversuche 
zu einer Umbildung des alten Systems kommen vorerst über die dekora- 
tive Wirkung nicht hinweg. Der Spitzbogen wird, besonders bei den 
Schiffarkaden, mehrfach aufgenommen, fügt sich zunächst jedoch ebenfalls 
der üblichen Anordnung und Behandlung. Dann machen sich, mit grös- 
sercr Entschiedenheit, Einflüsse zur Umwandelung der Form, zur Vorbe- 
reitung für die Epoche des gothischen Styles, geltend; es wird im Ein- 
zelfalle selbst das Muster frühgezeitigter französischer Gothik unmittelbar 
herübergetragen. Aber der alte nationale Geschmack behauptet noch auf 
geraume Zeit sein Recht, selbst über dem neuen fremdländischen Muster. 
Es bilden sich Misch- und Uebergangsformen, die zumeist erst um den 
Beginn des zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts einer selbständigen An- 
eignung des gothischen Styles weichen. 
Das System des schlichten Rundpfeilers (gelegentlich des polygoni- 
sehen) für die Schiffarkaden des Innern (vergl. oben, S. 451) ist noch 
vielfach in Uebung. Die Kathedrale von Oxford sucht dasselbe zur rei- 
chen Wirkung zu entwickeln, durch Emporführung der Vorderhälfte des 
Pfeilers an der Oberwand als Träger eines Mauerbogens und hiemit ver- 
bundene anderweitige Ausstattung; aber die Entwickelung des Systems 
ist mangelhaft und unschön, obgleich die Detailbildungen den ausgespro- 
chenen Spätcharakter haben und zum Theil selbst auf den Abschluss des 
Baues im Beginn der gothischen Epoche deuten. Die Abteikirche zu 
Romsey enthält ähnliche Versuche, neben andern Weisen der Formation 
und bestimmtereu Anschluss an das frühgothische System in ihren jünge- 
ren Theilen.  Andcrweit verbindet sich der schwere Rundpfeiler mit 
spitzem Arkadenbogen. So an der Klosterkirche von Malmsbury, WO 
die reiche Gliederung des Bogens, die zierlich rundbogige Arkaden-Em- 
pore über demselben, die sehr glänzende Ausstattung des Aellßsern die 
Spätzeit des Romanismus nicht minder deutlich bezeichnet; an der Kirßhß 
St. Cross bei Winchester, wo bei noch reicherer Dekoration (168 Innern 
wiederum die Aufnahme gothisirender Motive ersichtlich wird; an der 
ähnlich behandelten Kirche von Shoreham; in der von Wimborn- 
Minster; auch an St. Mary Magdalen on the Hill, gleichfalls bei Win- 
chester.  Andre Aufnahme spitzbogiger Elemente bei schmuckvoller 
Ausstattung im Chor von St. Peter zu Oxford und in der Prioreikirche 
von Christchurch.
        

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