Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691573
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Styles. 
Die Kunst des romanischen 
 Zu Simiape (Basses-Alpes) eine zweigeschossige Rundkapelle, über 
deren Beschaffenheit oder Bauzeit jedoch keine nähere Notiz vorliegt. 
Einige Stücke burgundischer Architektur bezeugen eine erneut 
feine Aufnahme antikisirender Elemente, verbunden mit anderweit deko- 
rativen und mit constructiven Formen, welche entschieden den letzten 
Ausgängen des Romanismus, zum Theil auch schon den Uebergängen in 
das gothische System angehören. Die Vorhalle der mächtigen Abteikirche 
von Cluny vom Jahr 1220 (vergl. oben, S. 386) befolgte im Wesent- 
lichen das alterthümlichc System des Hauptbaues, doch mit Hinzuiiigung 
einer Kreuzwölbung mit Rippen statt des bei jenem angewandten Tonnen- 
gewölbes. Die Kathedrale von Langres hat ein ähnliches System und 
Verhältniss, noch mit antikisirenden Pilastern, deren Kapitälbildung sich 
aber schon, wie das Gewölbe, dem gothischen Style nähert. St. Philibert 
zu Tournus hat am Oberbau des Nordwestthurms und am Mittelthurm 
reiche antikisirende Pilasterarchitektur und im Innern des letzteren einen 
Arkadenschmuck mit Säulchen von schon fast ausgesprochen frühgothischer 
Behandlung.  Die Vorhalle der Abteikirche von Väzelay (welche der 
von Cluny ungefähr gleichzeitig sein wird) ist ein spitzbogig romanischer 
Bau, mit Emporen und Kreuzwölbungen, dabei mit einer Anordnung, die, 
ohne selbständige Erhöhung des Mittelraumes, in sehr eigenthümlicher 
Weise auf die südtranzösische Disposition, zurückgeht. Prächtige Rund- 
bogenportale, am Aeussern der Vorhalle und zwischen dieser und dem 
Kirchenschilf, gehören derselben Anlage und Bauzeit an. Aehnlich die 
unfern belegene Kirche St. Lazare zu Avallon, auch die Kirchen von 
Montreal und Pont-Aubert.  Ein verwandtes spitzbogig romanisches 
System (doch einigermaassen mehr im Charakter nordischer Strenge,  
angeblich schon von 1168 bis 1179, was einstweilen als fraglich erscheint) 
hat die Kirche Notre-Dame zu Belleville-sur-Saöne.  Zugleich 
reiche Spätformen zeigt die Kirche von la Charite-sur-Loire, (oben, 
S. 440), in ihren jüngeren Theilen einem Bau von 1216 angehörig. 
In der Auvergne charakterisirt sich die romanische Schlussperiode 
zunächst durch Einführung des Spitzbogens, zum Theil auch andrer de- 
korativer Elemente in das übliche System. So in der Kirche St. Amable 
zu Riom, in den-Resten der Abteikirche von Menat, in der von La- 
rouet. Bestimmter ausgebildet erscheint jener Typus in der Kirche von 
Herment; in der 1218 gegründeten kleinen Kirche der "Visitation de 
Std Marie" zu Clermont; im Chore der, nach der Mitte des 13. Jahr- 
hunderts erbauten Klosterkirche Notre-Dame zu Aigueperse. 
Im westlichen Frankreich entwickelt sich auf Grundlage der älte- 
ren Systeme eine mannigfach glänzende Ausstattung, zu einer belebteren 
Gliederung der oft noch volksthümlich schweren Grundformen, zu reicher
        

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