Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691485
Vierte Periode. 
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mals jüngerer Zeit, schon mit Uebergängen zur gothischen Formation.  
Aehnliches an der Klosterkirche von Lilienfeld. 
Einige Kirchen, zu Wildungsmauer, Petronell, Thern- 
berg, Sehöngrabern, haben eine schlichte einschifüge Anlage, mit 
Gewölben späterer Formation, theils in strengerer, theils in schmuckvoll 
rcicherer Ausstattung. In letzterer Beziehung ist namentlich die Kirche 
von Schöngrabern ausgezeichnet.   
Sehr häuüg finden sich Rundkapellen, besonders für die Zwecke des 
Gräberdienstes und mit gewölbter Gruft. Auch bei ihnen wechselt ein- 
fache und schmuckreiehe Behandlung, die letztere durchgängig im Cha- 
rakter der Schlussepoche und ihrer letzten Ausgänge. Strengere Bei- 
spiele unter Anderm zu Hainburg, zu Petronell (eine Taufkapelle), 
zu Scheiblingkirchen, glänzender zu Deutsch-Altenburg, Möd- 
ling, Pulkau, Hartberg (in Ober-Steiermark), Tuln. Die letztge- 
nannte Kapelle, elfeckig, trägt völlig das Gepräge der jüngsten Entwicke- 
lung, etwa der Zeit um die Mitte oder der zweiten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts angehörig, im Aeussern mit Spitzbogenblenden und andrer 
Dekoration, vornehmlich durch ein Portal an kunstreicher, glänzend phan- 
tastischer Behandlung ausgezeichnet. 
Derselben Spätzeit, vermuthlich einer nach einem Brande "von 1258 
erfolgten Ausführung, scheint der alte Vtfestbau von St. Stephan zu 
Wien anzugehören. Das Portal ist dem der Kapelle von Tuln ähnlich, 
doch noch zierlicher, noch reicher entwickelt und zugleich mit Sculpturen 
versehen, welche dasselbe jüngste Gepräge tragen. Das Portal ist rund- 
hogig, aber von einem ausserhalb vertretenden Spitzbogen umfasst, der 
als abermals jüngerer Zusatz, vermuthlich nach einem Brande von 1276, 
erscheint. Ein überaus brillantes Werk dieser Spätzeit ist der Kreuzgang 
der Cistercienserabtei Zwetl. 
Ausgeprägten spitzbogig romanischen Gewölbebau hat das Schiff des 
Domes von Wiener-Neustadt (1220-30, im Innern noch in schwerer 
Behandlung), das der 1221 gestifteten Kirche St. Michael in Wien und 
das der Kirche von St. Margarethen am Moos. 
In M ähren ündcn sich mehrere Monumente, welche der glänzenden 
dekorativen Richtung der österreichischen Bauten sich ansohliessen imd 
dabei im System der Ccnstruction den Spitzbogen durchgeführt zeigen. 
So die Kirche des Oistercienser-Nonnenklosters zu Tischnowic, voll- 
endet im Jahr 1239, ein Bau von klarer Disposition, zugleich mit einem 
ausgedehnten Kreuzgange derselben Epoche und einem der zierlichsten 
und reichsten romanischen Prachtportale versehen. ' Sodann die Kirche 
der Benediktinerabtei Trebitsch, ein noch consequenter im Spitzbogen 
der Uebergangszeit behandelter Bau, mit ausgedehnter Krypta und ori- 
ginellen polygonalen Gewölben im Chor und der Thurmhalle, dabei eben- 
falls von grosser Eleganz in der ornamentalen Durchführung. 2 
 1 Wocel im Jahrbuch der Central-Commission zu Wien. III. Bd. 
2 Beider in den Mittelalterl. Kunstdenkmalerm des üsterr. Kaiserstaates.
        

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