Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691467
Vierte Periode. 
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_di_e in prägnanter Stylform ausgebildeten Einzeltheile deuten jedenfalls 
auf einen Bau in verhältnissmiissig sehr später Zeit; es ist nicht ganz 
unglaublich, dass derselbe (mit Ausnahme einiger älteren Stücke in sei- 
nem östlichen The1le).erst nach einem ldrande von 1278 zur Ausführung 
gekommen 1st._1  Einiges Verwandte in der Formenbehandluug, doch 
ohne jene phantastischen Elemente, hat die Kirche zu Altenstadt bei 
Schongau: Dies ist ein durchgeführter Gewölbebau, schlichten Systems, 
aber in einer Weise der Constructlon und ihrer asthetischen Beziehung, 
die, mehr als es sonst bei deutsch-romanischen Kirchen der Fall, eine 
Uebersetzimg französisch-gothischen Aufbaues in deutsch-romanische For- 
men zu bezeichnen scheint. Das Westportal zeigt eine lebhafte Annähe- 
rung an spätromanisch lombardischen Styl. Auch dieser Bau gehört ohne 
Zweifel schon der späteren Zeit des 13. Jahrhunderts an.  Die_Kirche 
vom Kloster Bergen zwischen Donauwörth und Ingolstadt scheint eine 
ähnliche Anlage gehabt zu haben.  
Spitzbogige Formen zeigen die Kirche zu Perschen, die zu Cham- 
münster (mit spätgothischer Restauratiom) die Klosterkirche zu St. Ja- 
kob am Anger in München (zwischen 1231 bis 1253 erbaut, wiederum 
noch in sonst durchaus alterthümelnder romanischer Behandlung), die 
Leonhardskirche zuRegensburg, ein Hallenbau mit gleich hohen Schif- 
fen, auch Einiges bei St. Emmeran, ebendaselbst: ein Portalbau am Em- 
meransplatz und die älteren, schon gothisirenden Theile des Kreuzganges. 
Die Architektur der tirolischen und salzburgischen Lande 
scheint im Weehselverhältniss zur bairischen zu stehen, lässt gleichzeitig 
aber starke und entschiedene lombardische Einflüsse erkennen. 
Botzen hat in dem Thurme der dortigen Dominikanerkirche, der 
bestimmt aus den letzten Decennien des 13. Jahrhunderts herrührt, einen 
Beleg für die lange Dauer schlicht romanischer Formation. Das Haupt- 
portal der dortigen Pfarrkirche, aus wechselfarbigem Marmor, ist ein 
Nachbild lombardischer Portale. Der Kreuzgang des dortigen Franziska- 
nerklosters hat zierliche gebrochenbogige Säulen-Arkaden.  Der Dom- 
kreuzgang zu Brixen hat nicht minder zierliche, wiederum mehr nach 
italienischem Geschmack behandelte Rundbogenarkaden.  Die Kirchg zu 
Iniehen (mit ältererKrypta) ist in phantastisch reichen, spätromanischen 
Formen aufgeführt.  Mehrere Portale in der Umgegend von Meran, 
an der Kapellenruine der Zenobiug, auf Schloss Tirol, an der Kirche vom 
Dorf Tirol, haben eine Ausstattung mit barbaristisch phantastischen Sculp- 
turen, lassen aber in der Behandlung zum Theil nicht minder deutlich 
die romanische Spätzeit erkennen. 
 Zu Salzburg ist das Schiif der Franziskanerkirche ein schwerer 
spitzbogig romanischer Gewölbebau, ihr Portal, ähnlich dem von St. Peter- 
 1 Im J. 1275 war allerdings schon der gothische Prachtbau des Domes. zu 
Regensburg gegründet. Aber sein System war eben ein aus der Fremde einge- 
führtes, undxihm gegenüber konnte sich das ältere einstweilen noch sehr Wohl 
mit aller Kraft geltend zu machen suchen.
        

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