Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686624
des alten Reiches. 
Erste Blüthenepoche 
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geführt, sind die bei dem heutigen Dorfe Giseh belegenen. Es sind die 
Glanzdenkmalo der vierten Dynastie. Die älteste derselben ist die Pyra- 
mide der Sehafra (Chephren), deren ursprüngliche, gegenwärtig nur wenig 
Verringerte Höhe 454 Fuss 3 Zoll betrug. Auf sie folgt die Pyramide 
des Chufu (Cheops), ursprünglich 480 F. 9 Z. hoch. Dann die des Men- 
eheres (Mykerinos), ursprünglich 218 F. hoch, diese zugleich auf einem 
mächtigen Unterbau errichtet. Zu den Seiten der grossen liegt eine An- 
zahl kleinerer Pyramiden. Ausserdem gehört zu dieser Gruppe ein unge- 
heures Bildwerk, ein ruhender Sphinxkoloss (Löwenleib mit dem Haupte 
eines königlichen Mannes), der aus dem Fels des Bodens gearbeitet und 
65 Fuss hoch, gegenwärtig übrigens bis auf das sehr beschädigte Haupt 
vom Sande bedeckt ist. Dein Riesenmuthe, den der Bau der Pyramiden 
bekundet, entspricht diese Riesensculptur; der Sinn ist auf das Erhabenste 
gestellt: er sucht sein Ziel, noch durchaus naiv, durch materielles Grössen- 
maass zu erreichen. Die Form des Sphinxkolosses ist symbolisch und 
deutet darauf hin, dass die symbolische Darstellungsweise, die später in 
de!" ägyptischen Kunst namhafte Bedeutung gewinnt, schon in dieser Früh- 
zeit mit Bewusstsein geübt ward. 
Um die Pyramiden reihen sich in grosser Anzahl Privatgräber 
derselben Zeit, der jene angehören. Dies sind zum Theil länglich recht- 
eckige Massen mit schrägen (pyramidaliseh geneigten) Seitenwänden und 
horizontaler Oberfläche. Das Grab selbst ist unter dieser Masse verbor- 
gen. An der einen Seite desselben ist der Zugang zu einem kleinen 
schmalen kapellenartigen Raume, der ohne Zweifel für den Todtenkult 
bestimmt war. Die Ausstattung dieses Raumes gibt von der Behandlung 
des architektonischen Details in jener Epoche eine Anschauung. An dem 
ausgemeisselten Balkenwerk der Decke oder der Thürräume, an dem Lat- 
tenwerk, welches die im Innern vorhandenen Thürnischen umfasst, zeigt 
sich eine, wenn auch freie Nachbildung der Formen, die das Material des 
Holzes beim Bediirfnissbau ergeben hatte. Die Anwendung dieser Formen 
ist aber im WVcsentlichen noch eine ornamentistische (ähnlich wie bei den 
Nachahmungen des Holzbaues an den mexicanischen Monumenten), ohne 
etwa aus ihnen die Motive zu einer selbständig architektonischen Ent- 
wickelung zu entnehmen. Bei grösseren Räumen kommen gelegentlich 
einfache viereckige Pfeiler als Deekenstützen vor. Die Anwendung der 
Nilziegel hat in den Gräbern dieser frühen Epoche bereits zu förmlieher 
Einwölbung der Decken (ob auch noch ohne eigentliche Keilsteine) geführt.  
Zum Theil bestehen die Grabanlagen aus in den Felshang gearbeiteten 
Vorkammern und tiefer gelegenen Aushöhlungen für das eigentliche Grab. 
Die eben besprochenen Privatgräber gewähren uns sodann die An- 
schauung einer in reichlicher Anwendung und in strenger stylistischer 
Bestimmtheit Zur Anwendung gebrachten bildnerischen Kunst. Es sind 
farbig bemalte Flaehreliefs, welche die Wände jener zum Todtenkult be- 
stimmten Kammern bedecken. Der Inhalt der Darstellungen ist einfach
        

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