Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691360
Vigrte Periode. 
505 
burg, Brilon, Watersloh, Barsinghausen, u. s. w.; in kunstreichen 
Versuchen, mit der Anwendung muschelartiger Halbgewölbe über den Sei- 
tenschifen an drei Kirchen zu Soest, der Marienkirche: zur Höhe, der 
Petrikirche und der Thomaskirclie (bei den letzteren beiden in denjenigen 
Theilen, Welche der Umbildung einer älteren Anlage angehören) und an 
der kleinen Kirche von Enniger bei Münster; mit Kuppeln über dem 
Mittelschiff und Halbkuppeln über den Seitenschiifen an der Pfarrkirche 
von Rüthen.  Noch andre geben die völlig consequente Ausbildung 
des Systems, zumeist in sehr edler und reicher Durchbildung: die Kirchen 
zu Methler, Brechten, Castrop, Mengede, Wickede, Huckarde, 
sämmtlich in der Umgegend von Dortmund belegen und allerdings von 
nicht erheblicher Dimension; die minder regelmässigen von Langen- 
horst, Metelen u. a.; die grossartigeren, zum Theil schon einer go- 
thisirenden Behandlung zugeneigten Beispiele des Domes von Pader- 
born und der Münsterkirche von He rford (ihren Haupttheilen nach); 
auch das Schiff der Marienstiftskirche zu Lippstadt. 
Verschiedene Monumente im Norden reihen sich an. Zu Bremen 
der Umbau des Domes zur Gewölbkirche in reichem spätromanischem 
Gefüge (in gothischer Zeit abermals verändert); die Anschariuskirche 
(1229-43), die Stephanikirche, die Martinikirche (seit 1230), ebendaselbst, 
ursprünglich Anlagen mittleren Hochbaues, sowie der Hallenbau der 
Liebfrauenkirche, gleichfalls in Bremen, und die Kirche zu Berne. End- 
lich die neuerlich abgerissene Kirche zu M arienhafe, 1 eine gewölbte 
Pfeilerbasilika von seltsam schweren barbaristischen Formen, der aber die 
charakteristischen Elemente der romanischen Schlussepoche ebenfalls 
nicht fehlen. 
In der sächsischen Architektur erscheint zunächst noch das schlichte 
Basilikensystem, wie dasselbe in den vorangehenden Epochen geübt war, 
maassgebend, nur mit denjenigen Elementen einer feiner durchgebildeten 
Gliederung, einer belebteren und freieren Ornamentik, welche überall die 
romanische Schlussepoche charakterisiren. Als bezeichnendes Beispiel des 
Ueberganges zu solcher Richtung ist bereits (oben, S. 426) die 1184 ge- 
weihte Kirche von Wechselburg genannt worden. Einige selbständige 
Schmuckwerke, welche der baulichen Anlage hinzugefügt wurden, eine 
Kanzel in der Form der alten Ambonen, ein merkwürdiger und eigen- 
thümlicher Altarbau (der aber, wie er von aller Altarausstattung der ro- 
manischen Epoche abweicht, seine gegenwärtige Stellung äusseren Merk- 
zeichen zufolge in der That erst in erheblich späterer Zeit erhalten hat 
und vielleicht von der ursprünglichen Anlage eines Lettners herrührt) ent- 
sprechen deren dekorativem Charakter des Gebäudes, doch in noch wei- 
cherer und schwungvollerer Behandlung ihrer Einzeltheile. (Ußber die 
an ihnen befindlichen Reliefsculpturen s. unten.) Die Kirche von Thal- 
bürgel, eine Pfeilerbasilika gleich der ebengenannten, enthält eine 
Durchbildung des Systems von vorzüglich belebter, edler und rhythmisch 
1 Die alte Kirche zu Marienhafe in Ostfriesland, 
für bild. Kunst und vaterl. Alterthümer in Emden. 
hsgb. von der 
Gesellschaft
        

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