Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691355
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Die Kunst des romanischen 
Styles. 
gothische Styl durch die auswärts gegenstrebenden Theile erreicht. Auch 
der Schiffbau der Reinoldikirche zu Dortmund gehört hieher, dieser indess 
schon mit etwas bestimmterer Neigung zur Richtung des gothischen Styles. 
Gleichzeitig aber bildet sich die spätromanische Architektur West- 
phalens zu einem völlig eigenthümlichen System aus. Es ist jener „Hallen- 
bau" mit gleichen Schiffhöhen (im Mittelschiff ohne Oberwände und ohne 
besondere Beleuchtung durch diese), dessen Anfänge schon in einzelnen 
Beispielen des zwölften Jahrhunderts gegeben waren. Nunmehr in durch- 
gängiger Verbindung mit spitzbogigem gegliedertem Gewölbe gewinnt 
dies System ein höchst charaktervolles Gepräge, fest geschlossen, ruhe- 
voll, in gesicherter Kraft, zugleich in der Regel durch gegliederte For- 
mation der stützenden Theile, häufig durch glanzvolle, edel  durchgebil- 
dete Dekoration, besonders an den Portalen, von lebhafter und anmuthender 
Wirkung. Der Altarraum schliesst fast ohne Ausnahme viereckig ab, in 
dieser schärferen Grimdform (im Gegensatz gegen das Halbrund der alten 
Absisform) mit dem Wesen des Aufbaues übereinstimmend, zugleich nicht 
selten durch dekorative Ausstattung in seiner Wirkung ebenfalls gehoben. 
 Das System hat verschiedene Entwickelungsstufen. Eine Reihe von 
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    gilt 
lllzzlgiul: Querdurchschnittnder IKirche zu Methler. (Nach Lubke.) [All] 
Beispielen folgt in der Grunddisposition noch ältern Mustern, mit schma- 
len Seitenschiifen, mit kleinerer Gewölbtheilung über diesen und grösserer 
über den SeitenschiHen, mit einem Wechsel von stärkeren und schwä- 
cheren Pfeilern (oder Säulen) in den Schiffarkaden: die Servatiikirche zu 
Münster und die Jakobikirche zu Koesfeld, die Johanniskirehe zu 
Billerbeck, die Kirche von Legden, die grosse Marienkirche und die 
Nicolaikirche zu Lippstadt; auch die Kirche St. Simon und Judas zu 
Ootmarsum im benachbarten holländischen Grenzlande (Overyssel).  
Andre zeigen das Streben nach einer mehr gleichartigen Disposition: in 
völlig schlichter CünSfrllction an mehreren Kirchen des Sauerlandes; in 
verschiedenen Weisen des Ueberganges zwischen alter und neuer Anord- 
nung an der Stiftskirche zu Ober-ltlarsberg (im Hauptbau nach 1230), 
an der Stiftskirche zu Geseke; an den schlichteren Beispielen zu War-
        

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