Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691292
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Die Kunst des romanischen Styles. 
St. Johanniskirche bei Nieder-Lahnstein.  Andre geben demselben 
System eine reichere Entwickelung, mit schmuckreichen Arkaden, Empo- 
ren über den Seitenschiifen, mit durchgeführter, zum Theil phantastisch 
behandelter Gewölbedisposition, mit mehr oder weniger dekorativer Aus- 
stattung des Aelissern: die Pfarrkirche zu Andernach, die zu Bacha- 
rach, die zu Boppard, diese der Zeit zwischen 1212 und 1242 ange- 
hörig.  Andre Beispiele, zumeist von geringerer Bedeutung: zu Sayn 
(die Klosterkirche, mit jüngerem Chorschluss), Bendorf, Güls, Bieber, 
die Frauenkirche unfern von Mayen, die Clemenskirche unfern von 
Trechtinghausen, zu Garden, Münstermayfeld (der Chor), Raven- 
giersburg (die Facade, in barock schwerer Behandlung), Sponh eim (in 
den späteren Theilen von geschmackvoll klarer Formation.)  Hoch 
durchgebildeten dekorativen Reiz hat der westliche Vorhof der Kloster- 
kirche zu Laach, zierliche Arkadengänge bildend, welche die belebtesten 
malerischen Durchblicke gewähren, (bisher zum Theil vermauert, gegen- 
wärtig in der Herstellung begriffen); die Klostergebäude zu Rommers- 
dorf; auch die sechseckige Matthiaskapelle zu Kobern, dieser kleine 
Bau jedoch, bei einer fast rafiinirt kunstreichen Anlage, bei üppigstem 
Schmuck und wechselvollster Beweglichkeit in der Formation der Glie- 
derungen, nicht eben auf eine geläutert harmonische Wirkung berech- 
net.  In auffällig schlichter, alterthümlich romanischer Strenge erscheint 
dagegen die dreigeschossige Kapelle der erst 1284 gegründeten Burg 
Reichenberg. 
Die Fassung und Behandlung des spätromanischen Systems in den 
deutsch-niederrheinischen Districteu findet auch in ferneren Gegenden 
mannigfache Nachfolge. In den belgischen Niederlanden schliesst sich 
Mehreres den niederrheinischen, namentlich den kölnischen Mustern ziem- 
lich unmittelbar an. So die jüngeren Theile von St. Servais zu Maest- 
richt; der Chor der Liebfrauenkirche, ebendaselbst, nach dem System 
des Chor-Inneren von Gross-St. Martin zu Köln angelegt; die westliche 
Absis von Ste. Croix zu Lüttich; die Liebfrauenkirche zu Roer- 
mond e, 1224 geweiht, in ihrer Chor-Anlage der Erscheinung der Apostel- 
und der Martinskirche völlig verwandt; Chor und Querschiff von Notre- 
Dame de la chapelle zu Brüssel, im Innern ebenfalls das System der 
Kölner Martinskirche aufnehmend, doch in jüngerer Durchbildung und 
mit (Wohl abermals späteren) gothisirenden Fensterfüllungen.  Dann 
einige minder bedeutende, zum Theil nur in Fragmenten enthaltene Bei- 
spiele: die Kirche St. Martin zu St. Trond; Theile vom Chor der St. 
Walburgiskirche zu Oudenaarde; der Unterbau des Chorumganges der 
Kathedrale von Brüssel (seit 1220); der vordere Theil der Krypta der 
Kathedrale von Gent (seit 1228) und Reste derKlostergebäude der alten 
Abtei von St. Bavo, 1 ebendaselbst;  während einige, wie die Reste 
der Abtei von Orval in Luxemburg und die Kreuzgänge bei St. Gertrud 
zu Nivelles und bei der Kathedrale von Tongern (auch die hier an- 
1 Die Kathedrale von Gent, früher St. Johann, hat nach Untergang der 
Abtei den Namen St. Bavo angenommen. 
alten
        

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