Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1691166
Periode. 
Dritte 
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klärung, auf der Nordseite die Kreuzgrung Christi; unter diesen Darstel- 
lungen theils Heilige, theils fürstliche Bildnissgestalten; an den Feldern 
der Kreuzgewölbe eine beträchtliche Zahl von Scenen, welche zumeist 
prophetischen Visionen, namentlich denen des Ezechiel, entnommen und 
auf die Strafe der Götzendienerei und den göttlichen Schirm der Kirche 
bezüglich zu sein scheinen. 1 Die Behandlung ist wiederum schlicht; es 
 sind einfach colorirte Umriss- 
zeichnungen, zumeist auf dun- 
A kelblauem, von grüner Einfas- 
K sung umgebenen Grunde. Der 
K  5 Styl schliesst sich dem den 
, jüngeren Malereien von St. Sa- 
 K 1  vin an, in weiterer Entwicke- 
J lung der dort ausgebildeten M0- 
8 i, tive, in grossen Linien von einer 
Weichen, fast klassischen Klar- 
I heit, welche zum Theil, auf 
höchst überraschende Weise, die 
f A Stylrichtung der gothischen 
Epoche bereits vorweg zu neh- 
ix, inen scheint. Das Gefühl für 
p die Hauptzüge des körperlichen 
'X Organismus ist schon sehr le- 
k  bendig, die Bewegung fcht 
l f selten frei, anmuthig und wür- 
f   dig, während allerdings im Ein- 
k Ä l zelnen manches noch Befangene 
 l und Verzwickte vorkommt. Die 
 1' v X. Handlungen sind mit naiver 
 Benutzung der oft sehr schwie- 
rigen Räumlichkeit (z. B. scharf 
 zugespitzter Dreiecke in den 
 Kreuzgewölbfeldern) entwickelt. 
In der Ausführung unterschei- 
Figur eines Heiligen, aus den Wandmalereien der dfän S10? mehrere Hände? dllrch 
' Kirche zu Schwarz-Rheindorf. (Nach Hohe.) eine kraftige Fülle oder einen 
dürftigeren Sinn, sowohl in 
der Fassung der einzelnen Gestalten wie in ihrer Zusammenordnung. 
Das Ornamentistische hat völlig den Charakter der Zeit. Jedenfalls liegt 
in diesen Arbeiten wiederum einer der Höhepunkte des deutschen Kunst- 
vermögens vor, eine bedeutungsvolle Zwischenstufe zwischen den Meister- 
1 Ich schreibe nach Ansicht der vortrefflichen Aquarellzeichnungen, welche 
der Maler Hr. Hohe nach jenen Wandbildern für das k. Museum zu Berlin gefer- 
tigt hat. Das Verständniss des Inhaltes und der Wechselbezüge der Darstellungen 
wird durch mehrfache Verletzung derselben erschwert. Hoffentlich indess wird 
ihrer Durchforschung bald ein gründliches Studium gewidmet und mit den Rein]- 
taten desselben ihre abbildliche Herausgabe bewerkstelligt werden. Einige Um- 
risse in den Ergänzungstafeln der "Denkmäler der Kunst", T. 49 A, 111-7).
        

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